Dreist, dreister, “Danini” – ein Kommentar
Nur weil eine geschäftstüchtige Dresdnerin eine kreative Idee hat, muss man sie noch lange nicht gut finden. In der heutigen Onlineausgabe der “Sächsischen Zeitung” steht in der Rubrik “Menschen in der Stadt” unter anderem Unternehmerin Daniela Schmitz im Mittelpunkt.
Die Herausgeberin des Dresdner Magazins “Danini” und Inhaberin der Bodyart-Wellnesslounge lobt den “1. Danini Kreativ Award” aus. Die Autorin Nadja Laske, die in der “Sächsischen Zeitung” oft über die “Dresdner Gesellschaft” berichtet, ist von der Idee so begeistert, dass sich der Artikel wie eine Werbebotschaft liest. Schließlich besteht die Jury aus “Medienvertretern und Stadtpromis wie Wolle Förster und Haarstylist Holger Knievel”, um die “pfiffigste Idee” zu küren.
Auf den ersten Blick ist es ja löblich, dass sich Daniela Schmitz Gedanken darüber macht, dass “vor allem in dieser Zeit sich viele kleinere Unternehmen Werbung gar nicht mehr leisten wollen” und sie deswegen einen solchen “Award” erfindet. Was die Autorin Nadja Laske allerdings in ihrem Artikel verschweigt ist, dass Daniela Schmitz gar nicht so uneigennützig handelt.
Auf der ihrer Homepage www.danini.de steht, welche Bedingungen an einer Teilnahme beim “1. Danini Kreativ Award” geknüpft sind. So ist erst einmal eine Aufnahmegebühr von 34,50 Euro für eine und 59,90 Euro für zwei Bewerbungen pro Firma fällig. Außerdem muss der Bewerber eine DIN A5 Seite inkl. 3mm Beschnitt selbst “kreativ gestalten” – was für den potentiellen “Gewinner” ebenfalls mit Kosten verbunden ist.
Auch die Rubriken sind vorgegeben: “city – style – feeling – hot – people”. Zufälligerweise stimmen die Rubriken mit denen des “Danini”-Magazins überein. Auch die Formatgröße ist gleich passend, um eine Seite in dem 100 Seiten starken Heftchen zu füllen, das am Kiosk immerhin 3,70 Euro kostet. Einmal im „Danini“-Magazin geblättert, wird auch schnell das redaktionelle Konzept klar – die meisten Seiten stehen in direkter Verbindung mit einer Anzeige und sind bestenfalls gleich redaktionelle Werbung.
Nun frage ich mich, was können die Firmen bei einer Teilnahme beim “1. Danini Kreativ Award” eigentlich gewinnen? Statt einer professionellen Werbekampagne sollen die Unternehmen eine Anzeige oder irgendetwas “Kreatives” selbst gestalten und dafür auch noch eine Aufnahmegebühr bezahlen. In den fünf genannten Rubriken gibt es je einen Sieger und der bekommt dafür eine Werbung im “Danini”-Magazin und auf der “Danini”-Homepage. Wahnsinn!
Na gut: Es gibt zusätzlich für den Gewinner noch eine Produktion eines Spots für die Werbeplattform Blipp TV Dresden und dessen einmonatige Ausstrahlung über die Kinobewerbung Sachsen. Wenn man auf www.blipp-tv.de klickt, finden sich dort eine sehr übersichtliche Zahl an Spots – viel los scheint da also nicht zu sein. Auch das Projekt steckt – genau wie “Danini” – noch in den Kinderschuhen. Schaut man sich die Qualität der einzelnen Medien-Produkte an (von Journalismus wollen wir an dieser Stelle lieber nicht reden), fragt man sich, ob sie die jemals verlassen werden. Aber doch, es ist noch etwas Gutes zu finden: 10% der Nettoerlöse (!) kommen dem „Charity Partner“ Aufwind e.V. zugute.
Warum aber hat sich Autorin Nadja Laske nicht auch mal gefragt, wie viele Leute man wohl mit der gewonnenen Werbekampagne erreicht? Oder wer am Ende eigentlich wen aufwertet? Könnte man doch problemlos unterstellen, dass “Danini” in erster Linie seinen eigenen Bekanntheitsgrad erweitern will. Ein wenig mehr Distanz und tiefgründige Recherche hätten Laskes Artikel mit der Überschrift: “Witz und Köpfchen einen Kinospot gewinnen” auf jeden Fall gut getan. So wie sich das liest, könnte man fast meinen, Laske sitzt selbst in der Jury und kann gar nicht anders, als die Idee einfach “pfiffig” zu finden. Nicole Kirchner
Vielen Dank, Nicole, für dieses Fundstück.
Dieses Veralten, diese “Marketingstrategie” ist ablsolut prototypisch für die Dresdner Mentalität. Wegen solchen Wannabe-Tricksern wird immernoch “über den Ossi” gelacht. So ist das. Nur wegen solchen I****. Ständig dieses ins Fettnäpfchen getrete. Kampf den Imagezerstörern!
Den vorherigen Kommentar musste ich leider bearbeiten – an Stelle der **** stand eindeutig eine Beleidung.
Liebe anonyme Kommentatoren: Bitte unterlasst persönliche Beleidigungen. In Zukunft werde ich den gesamten Kommentar löschen.
owy
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In jeder Kritik steckt ein Lob! Vielen Dank!
Daniela Schmitz
Kontroverse Gespräche, vor allem wenn sie öffentlich und sachlich geführt werden bereichern.
Danke:-)
Schöne Grüße
Ralf Lippold
Grundsätzlich ist die Idee ja spitze. Also die, durch einen Kreativ-Wettbewerb Kontakte zu potentiellen Anzeigenkunden zu generieren und sogar vielleicht noch Leser zu gewinnen (Hurra-Artikel in der SZ). Dafür aber, dass ich als Anzeigenverkäufer einen Neukontakt gewinne, ohne mit der Wimper zu zucken als völlig unbekanntes Heftchen ohne Stallgeruch ein “Startgeld” zu erheben, das hat schon Respekt verdient.
Ich stimme der Kritik von Frau Kirchner zu. Nur sollte der Leser dabei auch bedenken, dass Frau Kirchner selbst bei solch einem unseriösen Magazin gearbeitet hat. Die Jugendzeitschrift SPIESSER ist über die Grenzen der Branche hinaus bekannt dafür, oft nicht zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt unterscheiden zu können.
(Ich hoffe damit niemandem auf den Schlips zu treten, lieber owy ;-) )
Na ja. So dreist ist das nun auch wieder nicht. Viele renommierte Designwettbewerbe lassen sich eine Teilnahme ebenfalls bezahlen. Was mich viel mehr stört, ist der Name des Wettbewerbs. Eine Ehrung für eine nur in einer deutschen Stadt relevanten Werbeanzeige, von einer deutschen Jury ausgewählt und von einem deutschen (lokalen) Möchtegernhochglanzblättchen ausgelobt, einen AWARD zu nennen, ist hochgradig albern. Ich wette, zwei Drittel der Zielgruppe wissen gar nicht, was der Unterschied zwischen einem Preis, “price” und “award” ist.
Prinzipiell fände ich die Idee, in Dresden einen solchen “Preis” auszuschreiben schon ganz gut, ich frage mich hier aber, warum “Blipp TV” (Kooperationspartner) und “Franks Agentur” (Frank Schröder ist Jury-Mitglied) bereits auch selbst als Teilnehmer des Wettbewerbs eingetagen sind…
Das man seine eigene Bekanntheit durch einen selbstausgerufenen Award steigern möchte, ist nichts Verwerfliches. Auch diesen – mit auflageträchtigen Partnern – unters Volk zu bringen, macht Sinn. Bis hier hin – alles richtig gemacht.
Das dann allerdings eine Teilnahmegebühr mit Rabattstaffelung fällig wird und “nur” eine Anzeige im noch recht unbekannten Stylemag die Ausbeute sein darf, ist etwas unglücklich. Da kommt man zwangsläufig auf die Refinanzierung des Angebots.
Bei den angebrachten Kommentaren frage ich mich allerdings auch so, ob die Teilnehmer mit “den besten Werbemaßnahmen” Lust auf eine Prämierung mit einer abgestimmten Werbekampagne haben sollten. Vielleicht lohnt sich hier ein Blick auf http://www.sputnik-dresden.de. Hier kann man sicher sein, dass alle genannten Werbeagenturen (von denen ich leider nichts auf der danini Website lesen kann) Vermarktungsprofis sind.
… wenn ich nicht wüßte, dass es Dein Job ist derartige Kritiken zu schreiben, dann könnte man denken, Du meinst es ernst. ;o)
grüße frank
Kommentar von “MartaCorneliaBroll” gelöscht, weil justiziable Tatsachenbehauptungen enthalten sind, die wir nicht nachprüfen können.