Was fehlt in Dresden? City-Managerin Tanja Terruli im Presseclub

Wie gefährlich ist der Elbepark für die Dresdner Innenstadt? Mit dieser provokanten Frage eröffnete SZ-Redakteurin Katrin Saft das Gespräch mit City- Managerin Tanja Terruli im Presseclub Dresden. Anfangs sei der Elbepark nur als Ergänzung zum innerstädtischen Handel gedacht, konstatierte Katrin Saft, nun habe er sich durch gewiefte Geschäftspolitik gegenüber der Stadtverwaltung als Mega-Einkaufszentrum entpuppt.

Tanja Terruli zeigte sich begeistert von der Architektur dieses „klassischen Einkaufszentrums“ und dem „neuen viefältigen Angebot“: „So etwas hätte man in die Innenstadt nicht bauen können“, sagt sie. Innenentwicklung gehe zwar vor Außenentwicklung, räumte Terruli ein. Aber: „Der Elbepark tut der Innenstadt nicht direkt weh“, äußerte sich die City-Managerin bedeckter über den magnetischen Abzug der Kaufkraft. Die Innenstadt zu genießen, könne ein Shopping-Center am Stadtrand nicht ersetzen. Die demografische Entwicklung werde die Innenstadt stärken, weil ältere Menschen lieber in der Innenstadt einkaufen gehen.

Bis 2012 ist eine Einzelhandelsfläche von insgesamt knapp einer Million Quadratmeter in Dresden geplant, ein Zuwachs von etwa 130.000 Quadratmetern. Was fehlt in Dresden? Im Unterschied zu Leipzig fehlen kleine feine Boutiquen, mahnte Katrin Saft. Der Altmarktgalerie fehle ein Herrenausstatter. Dies sei eine Frage des Flächenangebotes. Inhabergeführte Geschäfte etablieren sich auch in kleineren Räumen. Kleinteiliger Handel zöge in den Erweiterungsbau der Altmarkt-Galerie ein. In der Centrum-Galerie gebe es zwar weite Wege, aber der attraktive Bau werte die Prager Straße sehr auf, erwiderte Tanja Terruli. Hier könne die als „Fahrradständer dienende“ Mall der städtischen Trompetergasse, nach Empfehlung von Clubmitglied Andreas Schulz, für Publikum gewinnbringender genutzt werden. Terruli dankte für den Hinweis.

„Wird in der Innenstadt genügend von den Geschäften selbst getan zur Vermarktung?“ fragte Jürgen Richter und pries die jüngste besucherstarke Initiative von Geschäftsleuten in Laubegast. Im Elbepark wie in der Innenstadt verzeichnet Terruli verstärkt Shopping-Tourismus aus Tschechien und Polen. Der Postplatz erhalte eine „Scharnierfunktion“ von Theaterplatz über Zwinger zur Innenstadt.

Eine Attraktion werde die demnächst eröffnete Spielbastion Merkur in der angrenzenden Wallstraße, eine Holzgerüst-Adaption der ehemaligen Stadtmauer. Auf die Frage nach dem Bedarf der teuren Spielbastion in einer verkehrsreichen Straße, die vorwiegend von kinderlosen Dresdnern bewohnt wird, antwortete Terruli, es habe keine Bedarfsfeststellung gegeben. Der Familienladen e. V. habe Bezug zum Spielplatz und Betreung angeboten.

Terruli hob das Projekt „Bärenstarker August“ zum sicheren Heimweg für Kinder hervor. Eine Werbekampagne soll Erstsemester von Studenten in die attraktive Landeshauptstadt locken. Ob es allerdings genügt, als Willkommensgruß den Studenten nur eine modische Lkw-Planentasche umzuhängen, bleibt fraglich.

Die paar Verkaufsstände des Freitagsmarktes auf dem Altmarkt, seien eher blamabel als belebend, pointierte Katrin Saft: „Sind die Forderungen der Stadt an die Händler überzogen?“ Das leidige Bauloch Wiener Platz, für Dresden ein defizitärer Reinfall, müsse attraktiver genutzt werden, wenn Operette oder Verwaltungszentrum nach jahrelanger Diskussion dort nicht gebaut werden könnten. „Kooperationsprojekte zwischen Stadt und Investitionspartnern gewinnen zukünftig an Bedeutung“, erklärt Tanja Terruli.

Die gebürtige Berlinerin mit italienischem Namen baute ihren Diplomingenieur für Stadt- und Regionalplanung an der Technischen Universität Berlin, managte die Stadt Gevelsberg (Nordrhein-Westfalen) und engagiert sich seit April 2008 in Dresden für Investitionen und Aufenthaltsqualität. Letzte Frage: „Wie ernst nimmt der Stadtrat das City-Management?“ Antwort: „Die Stadt selbst ist Mitglied in dem etwa 70 Geschäfte und Institutionen umfassenden Verein City-Management Dresden (CMD) unter dem Motto: ‚Wir sind die City!'“ Roland Fröhlich

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