Vandalen-Objekt wird Schmuckstück

Presseclub zu Gast im Chinesischen Pavillon Weißer Hirsch

Presseclub zu Besuch im Chinesischen Pavillon, Bautzner Landstraße 17a, / Chinesischer Pavillon zu Dresden E. V. / am 22.05.2017 / Foto: Ralf U. Heinrich

Nicht des Kaisers neue Kleider, sondern des Kaisers abgefackelten Chinesischen Pavillon putzt ein Förderverein in mühsamer ehrenamtlicher Kleinarbeit mit Spenden und Fördergeldern wieder zu einem Schmuckstück für kulturelle und familiäre Veranstaltungen heraus. „Aber“, klagt Dr. Dieter Reinfried, Vereinsvorsitzender, ehemaliger sächsischer Landtagsabgeordneter und Staatssekretär, „wir dürfen für unser zurückgesetztes und von herrlichen Bäumen verdecktes Kleinod am Rathausplatz Weißer Hirsch, Bautzener Landstraße 117, kein notwendiges Hinweisschild ‚Chinesischer Pavillon 17a‘ anbringen. Der Denkmalschutz ist dagegen.“ Da schlägt offenbar die Dresdner Ordnungsliebelei sich selbst ein Schnippchen.

Der Pavillon und eine Pagode waren ein offizieller Beitrag der chinesischen Regierung für die Internationale Hygieneausstellung 1911. Diese wurde von Karl August Lingner initiiert.

Die Pagode wurde anschließend verkauft, was aus ihr geworden ist, ist nicht bekannt, berichtet die Moritzburger Sinologin Kathrin von Loh, stellvertretende Vorsitzende des Chinesischen Pavillons zu Dresden e.V. Den in Nordchina von einem deutschen Architekten gebauten und per Schiff nach Dresden geschipperten Pavillon aber übernahm der damals noch selbständige Kurort Weißer Hirsch als Lese-Café für seine Kurgäste. Idyllisch gelegen am Rande der Dresdner Heide. Ein Ort der Erholung. Der Pavillon ist das einzige original aus der chinesischen Kaiserzeit in China gebaute Gebäude von Deutschland.

Nach der Wende wurde der stilvolle gläserne Pavillon (etwa 30 mal 30 Meter) in ein chinesisches Restaurant verwandelt. Ein Brand im Sommer 1997 und nachfolgender Vandalismus richteten im Inneren des Gebäudes schwere Schäden an. Man dachte zunächst an Abriss. Doch durch die Initiative von Dr. Malte von Bargen wurde ein Verein gegründet, der sich dem Wiederaufbau zum Zwecke der Pflege deutsch-chinesischer Kontakte auf kulturellem, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Gebiet verschrieben hat. Seit 2007 wird das Bauwerk mit Spenden von Bürgern und Unternehmern sowie staatlicher und kommunaler Förderung Schritt für Schritt denkmalgerecht wieder hergestellt und ist der Öffentlichkeit als Stätte der Bildung und Erholung zugänglich. Rund 900.000 Euro, so Dr. Reinfried, wurden bereits investiert. Weitere 30.000 Euro sind erforderlich. Der Verein bittet deshalb weiterhin um Spenden. „Es ist sehr zu wünschen“, schrieb Landeskonservator a.D. Professor Gerhard Glaser zur Eröffnung des Pavillons im Oktober 2015 „dass das Bauwerk wieder hergestellt und durch angemessene Nutzung erhalten werden kann.“

Im vergangenen Jahr fanden im Pavillon rund 50 Veranstaltungen statt, zwei Drittel waren öffentlich, ein Drittel private Feiern. Derzeit lässt sich der Pavillon für 500 Euro mieten.

Am Sonntag, 28. Mai 2017, 16 Uhr, findet im Rahmen eines Podiums der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber ein Pop- und Jazz-Konzert des Duo Summerer-Rosenbach statt.

Am 14. Juni ist Sommerfest. www.chinesischer-pavillon.de

Text: Roland Fröhlich
Fotos: Ralf U. Heinrich

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