Ist Facebook schuld?

Facebook ist per se keine Bedrohung für die politische Kultur. Es kann zu einer
Polarisierung führen, das ist aber von Randbedingungen wie Bildungsstand und
Alter abhängig. Mit diesem Fazit beendete Prof. Dr. Lutz Hagen seinen Vortrag im
Presseclub Dresden. Der Geschäftsführende Direktor des ifk Instituts für
Kommunikationswissenschaften der TU Dresden hatte die Frage gestellt: Ist
Facebook schuld an der Polarisierung von Politik?

Prof. Hagen, der selbst gern Facebook und Twitter nutzt, stellte eingangs dar,
dass die digitalen Medien gravierende Auswirkungen auf die traditionellen
Massenmedien haben. Wurden beispielsweise 1991 noch 27,3 Millionen Zeitungen in
Deutschland Exemplare in Deutschland verkauft, so hatte sich die Zahl bis 2016
mit 15,3 Millionen fast halbiert. Die Verlagshäuser konnten die
Vertriebsumsätze zwar relativ stabil halten, aber die Anzeigenerlöse gingen
kräftig zurück. In Deutschland machen sie noch etwa 50 Prozent aus, früher
waren es zwei Drittel. Besonders bitter sei es, dass im vergangenen Jahrzehnt die
Zahl der festangestellten Journalisten von 55.000 auf 35.000 gesunken sei.

Weltweit gebe es mehr Facebook-Nutzer als Mitglieder christlicher Kirchen,
erklärte der Professor. Das meiste Geld verdiene Facebook mit der „gezielten
Ausspielung“, so werden den Nutzern maßgeschneiderte Werbeangebote
unterbreitet. Jeder Nutzer hat eine eigene Filterblase und einen Echo-Raum (Echo
Chambers), durch den er seine eigene Meinung meist bestätigt erhält. Letztlich
ist das nur wenig anders als frühere Stammtische in der Dorfkneipe. Prof. Hagen
glaubt, ohne soziale Netzwerke würde es Pegida nicht geben.
Nach Untersuchungen des ifk fühlen sich die meisten Nutzer nicht durch eine
Vorauswahl nach Nutzungspräferenz gestört. Das Institut für
Kommunikationswissenschaften führt ein kleines Telefonlabor für Umfragen, wie
beispielsweise das DNN-Barometer.
Nach aktuellen Forschungsergebnissen lässt sich ein Zusammenhang zwischen
extremen Positionen und einer starken Nutzung der digitalen Medien sowie dem
Bildungsniveau und dem Alter nachweisen. Menschen mit geringerer Bildung und
häufigem Gebrauch von Facebook und YouTube neigen nach der Befragung fast
dreimal mehr zu extremen Auffassungen wie Zeitungsleser mit Abitur. Auffällig
sind auch extreme Auffassungen bei den über 70-Jährigen.

Ausführliche Informationen zum Thema gibt es beim Dresdner Symposium „Digitale
Revolution in der Demokratie“ 2017 Wissenschaft trifft Politik und Medien beim
Dresdner Symposium Digitale Revolution in der Demokratie – Algorithmen und die
Rolle von Intermediären (29.-30.9.2017)

Das Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden lädt herzlich ein
zum Dresdner Symposium „Digitale Revolution in der Demokratie – Algorithmen und
die Rolle von Intermediären: Wie Google, Facebook und Co. die Demokratie
verändern“. Es findet vom 29. bis 30. September 2017 in Dresden statt.
Die Idee ist, Wissenschaftler und Praktiker aus Medien und Politik zusammen zu
bringen, um Erkenntnisse über den Digitalen Wandel in der Politik zu diskutieren
und Wege zu seiner Gestaltung zu erörtern.
Am 29. September findet dazu ab 19 Uhr eine Podiumsdiskussion im Ballsaal des
Dormero Hotels Dresden City, Kreischaer Straße, statt zum Thema „Algorithmen
im Wahlkampf – wie stark ist ihr Einfluss?“
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung aber bis zum 15. September
erforderlich.

Text: Bettina Klemm
Fotos: Ralf U. Heinrich

 

 

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