Regierungssprecher zu Gast

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Ralph Schreiber ist ein alter Hase in Sachen Kommunikation. Er hat sicherlich gewusst, was auf ihn als Regierungssprecher zukommt. Und doch, so räumte er beim Gespräch mit Stefan Rössel im Presseclub Dresden ein, seien Termindruck und Arbeitsaufwand deutlich gestiegen. Seit 1. August ist der 46-Jährige im neuen Amt tätig.
Begonnen hatte er seine berufliche Laufbahn im Sächsischen Landtag. Danach war er Pressereferent und stellvertretender Pressesprecher der CDU-Fraktion. 2003 arbeitete er unter dem damaligen Ministerpräsidenten Georg Milbradt als Sprecher der Sächsischen Union und als Büroleiter des Generalsekretärs. 2004 wechselte er in die Staatskanzlei. Später war er ein Jahrzehnt Sprecher im Sozialministerium.
So ist Schreiber seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten für zahlreiche sächsische Journalisten ein geschätzter Gesprächspartner, wenn es um Einschätzungen und Hintergründe geht. Diese waren auch zum Clubabend gefragt. Einen Tag nach der Bundestagswahl wollte Moderator Stefan Rössel vor allem eine Einschätzung zum Wahlergebnis und zu den Ursachen hören. „Es ist uns nicht gelungen, die Sprache der Wähler zu finden“, räumte Schreiber ein, es gebe nichts zu beschönigen. Es werde sich viel verändern. Wichtig sei es, den Menschen, die enttäuscht seien und sich abgehängt fühlten, Antworten auf ihre Fragen und Visionen zu geben.
Die Leistungen der Menschen vor 1989 seien oft nicht gewürdigt, die DDR-Vergangenheit auf „Stasi und Soljanka“ reduziert worden. Wirtschaftlich steht Sachsen sehr gut da, aber das werde kaum wahrgenommen. Auch die Medien berichten viel zu wenig über Positives, kritisierte Schreiber. Diskrepanzen gebe es beispielsweise bei der gefühlten und realen Sicherheit. Warum wird der Bundesgrenzschutz an die bayerische, nicht aber an die sächsische Grenze geschickt?
„Wir brauchen in Deutschland wieder eine Diskussionskultur, bei der nicht sofort jemand in die Ecke gestellt wird.“ Ein Patentrezept und schnelle Lösungen gebe es nicht. Aber auch wenn das Büro von Ingrid Biedenkopf oft belächelt wurde, sei es nicht schlecht gewesen, das Gefühl zu haben, dass es da jemanden gibt, der zuhört.
Auf die scheinbar oft zögerliche Haltung des Ministerpräsidenten angesprochen, erklärte Schreiber, Stanislaw Tillich, Katholik, Sorbe, konservativ – ist ein Naturwissenschaftler, der an Themen anders herangehe. Darin ähnle er auch der Bundeskanzlerin. Künftig sei geplant, dass der Regierungssprecher schneller Erklärungen und Stellungsnahmen herausgibt.

Text und Foto: Bettina Klemm

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