„Pulstreiber“: kostenfreies Sportmagazin für Dresden

Pulstreiber“ ist die Mischung aus sportlichen Stadtmagazin und Vereinsregister. Die Herausgeber Stefan Mothes und Stefan Brock zielen mit diesem etwas ungewöhnlichen Konzept auf Freizeitsportler und auch auf Dienstleister der Stadt. Die zwei Jungverleger sehen wachsendes Interesse an regionalem Sport und damit auch steigenden Bedarf an Informationen. „Pulstreiber“, das aus dem Magazin „Sportpool“ hervorgegangen ist, trägt einen Stier im Logo. Der Name selbst soll aggressiv und bissig wirken und den Puls des Lesers in die Höhe treiben.

In der zweiten Ausgabe von „Pulstreiber“, die seit Anfang März erhältlich ist, wird Sport im weiteren Sinne vorgestellt. So kommt z.B. bekannte sächsische Komiker Olaf Schubert zu Wort und legt seine Ansichten zur Körperertüchtigung offen. Unter der Überschrift „Wörterbuch überflüssig“ werden Erfahrungen von Sportlern jenseits der deutschen Grenzen ausgetauscht. Ein Artikel über Cocktail-Akrobatik gibt unter dem Stichwort Flairbar-Tending Einblick in eine etwas ungewöhnliche Sportart.

Überblick über die lokale Sport-Szene
„Pulstreiber“ hat Dresdner Freizeitsportler im Visier und hilft ihnen bei der Orientierung in der regionalen Sportlandschaft. Das Magazin soll aber auch Unentschlossene dazu animieren (wieder) Sport zu treiben, indem es mit seinen Beiträgen motiviert und inspiriert.

Angesprochen werden ebenfalls Fitnessanbieter und Dienstleister, die sich einen Überblick über den Markt verschaffen wollen. Laut Mothes interessieren die Anbieter Fragen wie „Was macht die Konkurrenz?“, „Wie ist der Markt?“ oder „Was passiert außerhalb der eigenen Szene?“

Expansion nach Leipzig und darüber hinaus
Den Unterschied zum lokalem Sportteil in Tageszeitungen und zu überregionalen Medien wie Kicker oder Sportbild sehen die beiden Macher vor allem in der Themenbreite und dem regionalen Bezug. Nach Aussage von Brock dominieren in der Tagespresse die Leistungssportarten, die Breiten- und Freizeitsportarten kommen seiner Meinung nach zu kurz. Dass das Konzept funktioniert, daran haben die beiden Verleger keine Zweifel. Deshalb ist die Expansion nach Leipzig und in andere deutsche Großstädte geplant, in denen bereits nach Mitstreitern und Redakteuren gesucht wird.

Dresdner interessieren sich für Sport, das zeigte die „Lange Nacht des Sports“ im vergangenen Jahr. Laut Angaben der „Sächsischen Zeitung“ vom 29. September 2008 „präsentierten Mitglieder aus 130 Vereinen und privaten Gruppen ihre Angebote“, die fast 70.000 Besucher wahrnahmen. Mothes (Foto: rechts) und Brock (links) testeten die Wirkung der ersten Ausgabe ihrer Zeitschrift am eigenen Stand vor Ort – mit überwiegend positiver Resonanz.

Reichlich Erfahrungen gesammelt
Kritik gab es bei der Themenwahl. So wurde z.B. mehr Fußball und mehr Handball gewünscht, denn in der ersten Ausgabe überwogen Beiträge zum Thema Kampfsport. Auf Seiten der Werbekunden kam „Pulstreiber“ nach Auskunft der Initiatoren ebenfalls gut an. Mothes sagt dazu: „Manche wollten zunächst die Idee unterstützen und waren dann vom Ergebnis überrascht – vor allem vom Layout.“

Für den gestalterischen Teil ist Brock zuständig. Er betreibt die Werbeagentur „der treibstoff“, die unter anderem die Football-Mannschaft Dresden Monarchs und die Basketball-Mannschaft Dresden Titans zu ihren Kunden zählt. Erfahrungen sammelten beide Herausgeber zuvor mit acht Ausgaben des Vereinskatalogs Sportpool und bei der Sportberichterstattung für Stadtmagazine.

Es zeigte sich in ihren Augen, dass eine Nachfrage für regionale Sportmagazine vorhanden ist. Mitgenommen haben die beiden Verleger, dass die Zeitschrift hochwertiger gestaltet sein und häufiger erscheinen muss, wenn man eine breite Masse ansprechen möchte.

„Ungeschliffen, aber ehrlich“
Das Heft teilt sich in die Bereiche Stadtmagazin und Vereinsregister. Im Magazinteil veröffentlichen die Verleger neben eigenen Artikeln auch Beiträge von Gastredakteuren, die das Magazin durch genaue Themenkenntnis bereichern sollen. Dafür nimmt man auch Abstriche im journalistischen Schreiben in Kauf.

„Ungeschliffen, dafür aber ehrlich“ lautet die Devise von Brock. Die Beiträge selbst teilen sich auf in die Rubriken Neuigkeiten, Veranstaltungskalender, Ratgeber und Nachwuchs. Die zwei Herausgeber sehen „Pulstreiber“ als Werkzeug von Sportlern für Sportler, das auch kontroverse Themen wie Rassismus oder die Situation der Sportanlagen unter die Lupe nimmt. „Mit Leben gefüllt wird das Magazin dauerhaft nur, wenn es die Sportler in Dresden mitzieht“, sagt Mothes.

Im Registerteil findet der Leser ca. 800 Adressen von Vereinen, deren Abteilungen, sowie Dienstleister und Sportstätten. Um die Aktualität und Vollständigkeit zu gewährleisten, setzen die Herausgeber auf die Zusammenarbeit mit Dresdner Vereinen.

Das Heft erscheint in einer Auflage von 120.000 Stück verteilt auf sechs Ausgaben jährlich. Die Finanzierung erfolgt über Werbeanzeigen im Magazinteil und kostenpflichtige Verzeichniseinträge. Das Heft liegt an ca. 600 Stellen in Dresden aus. Neben Physiotherapeuten und Fitnessstudios ist es auch in vielen Bäckereien und kleineren Geschäften erhältlich. Andreas Haubold

Dieser Text entstand im Rahmen des Seminars „Lokaler Medienjournalismus“ am Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden (WS 2008/09).

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3 Antworten to “ „Pulstreiber“: kostenfreies Sportmagazin für Dresden ”

  1. Interessanter Beitrag. Gerade der Sport hat es nötig. Habe mir ein Exemplar zuschicken lassen. Entspricht dem, was ich anhand des Beitrages erwartet habe. Dass Sportamt und Kreissportbund dieses Medium nicht nutzen, zeigt wie traurig es um den Sport in Dresden steht. Die Zeitung ist sicherlich eine Bereicherung für Dresden. Ich bin gespannt, wie es da weitergeht. Vielen Dank für den Tipp (ihr Artikel).

  2. […] Herausgeber von Pulstreiber, Stefan Mothes, ist jedenfalls überzeugt davon, dass etwas getan werden muss, aber auch dass der […]

  3. […] Mothes und Stefan Brock herausgegeben. Die beiden produzieren die Zeitschrift für Dresden bereits seit Mitte 2008 und wollen damit eine Plattform für den lokalen Sport abseits der großen Vereine schaffen. Im […]

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