Rechnung nicht bezahlt: Apollo Radio droht Freien Radios mit Abschaltung (Korrektur: 20.4.2010)

Ausstrahlung der Bürger-Radios vor dem Ende“ meldet dpa (via „BILD-Leipzig“). „Sachsens Bürger-Radios vor dem Ende“ ist die etwas längere Fassung der dpa-Meldung bei „SZ-Online“ übertitelt. „Grund sei, dass die freien Radios die Rechnungen für die Sendekosten nicht beglichen hätten“, heißt es in beiden Meldungen. Demnach haben die Freien Radios die Rechnung über 16.000 Euro nicht beglichen und auf keine der Mahnungen und Hinweise reagiert. Apollo will die Programme folglich ab Samstag, den 17. April, nicht mehr ausstrahlen.

Weil aber die Lizenzen das nicht regeln, würde dann auf der Frequenz erstmal Funkstille herrschen, heißt es bei „SZ-Online“ weiter. Vertreter der Radios in Dresden und Leipzig sind ebenfalls zitiert: Man warte auf die zugesagten Gelder der Städte, die jeweils die Sendekostenzuschüsse für ein Jahr zugesagt hätten. Was mit Chemnitz ist? Hat sich der Autor der Meldung nicht drum gekümmert – ich bitte um Hinweise in den Kommentaren, falls hier jemand etwas weiß.

Hintergrund: Gerade um die Übernahme der Kosten hatte Ende des Vorjahres ein heftiger politischer Streit getobt – mit auffällig großer Publizität für die vergleichsweise geringe Reichweite der drei Sender Coloradio, Radio blau und Radio T. Die drei Freien Radios hatten, nachdem sie den Konflikt im Landtag verloren hatten, zunächst angekündigt, die Kosten selbst zu tragen. (Korrekturhinweis 20.4.: Die Aussage zur Ankündigung der Radios ist so nicht richtig – bitte diesen Kommentar beachten). In Dresden und Leipzig hatten später die Städte zugesagt, die Sender zu unterstützen.

Nachtrag/Update 14.4.: Unbedingt den Blogeintrag: „Wird am Sonnabend Coloradio abgeschaltet?“ von Anton Launer bei Neustadtgeflüster lesen – er beantwortet einige der offenen Fragen – und hier in den Kommentaren auch die zu Chemnitz.

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3 Antworten to “ Rechnung nicht bezahlt: Apollo Radio droht Freien Radios mit Abschaltung (Korrektur: 20.4.2010) ”

  1. Chemnitz hat das Geld nicht, zumindest laut einem Coloradio-Vorstand.
    Weitere Infos natürlich im Neustadtgeflüster. http://is.gd/bsqtn

  2. Leider enthält der Text oben einige sachliche Fehler, die gerade in einem Text vom Presseclub nicht passieren sollten. So schreibt owy: „Die drei Freien Radios hatten, nachdem sie den Konflikt im Landtag verloren hatten, zunächst angekündigt, die Kosten selbst zu tragen“.
    Damit schreibt Kollege owy leider auch nur aus den anderen Medien ab. Diese Meldung ist nämlich falsch und von mir höchstselbst per Pressemitteilung dementiert worden, die auch an den Presseclub gegangen ist. Die angebliche Ankündigung der freien Radios entstammt einem Protokoll der Landesmedienanstalt, das diese ohne Zustimmung und Autorisierung der freien Radios an interessierte Kreise verbreitet hat, um damit eine klassische Desinformation zu betreiben. Zumal das Zugeständnis während eines Treffens der streitenden Parteien gefallen sein soll, dem die SLM als neutraler Schlichter beigewohnt hat.
    Allein diese bewusste Desinformation Vorgehen dürfte für eine Behörde des Öffentlichen Rechts einmalig sein. Um so schlimmer ist es, wenn so eine Falschmeldung im Presseclub auch noch aus anderen Medien abgeschrieben wird.

    Unabhängig vom Text oben ist das Verhalten der Landesmedienanstalt auch höchst erstaunlich. Anstatt ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen und dafür zu sorgen, dass die von ihr lizensierten Sender auch senden dürfen, spielt sie das ganze als zivilrechtliches Problem herunter, bei dem sie nicht eingreifen müsse. Dabei hätte die Landesmedienanstalt, allen Grund aktiv zu werden. Apollo, das übrigens allen kommerziellen Radioveranstaltern in Sachsen gehört, ist ein klassicher Fall den Frequenzverstopfung zuungunsten vom Hamburger Klassikradio, also u.a. Bertelsmann. Die hatten sich einst selber auf die Apollo-Frequenz beworben und sind an der geballten Macht aller anderen kommerziellen Rundfunkveranstalter gescheitert, die sich lieber zusammengetan haben, als einen Konkurrenten fürchten zu müssen. Ergo: Apollo soll kein Geld verdienen, hat das auch noch nie getan, wirbt deshalb auch nicht für das Programm, sendet keine Fremdwerbespots, verstopft also nur die Frequenz. Mit Zustimmung der Landesmedienanstalt, die den Deal einst eingerührt hat.

    So kommt auch das seltsame Frequenzsplitting zwischen den freien Radios und Apollo zustande. Apollo musste um auf Sendung gehen zu dürfen, dem Frequenzsplitting zustimmen, dass anderen kommerziellen Sendern bekanntlich finanziell enorm schadet, deshalb heute kaum noch gemacht wird.

    Soweit in aller Kürze,

    wer mehr aktuelle Infos ais erster Hand haben möchte, kann sich gerne melden.

  3. @Martin Busche: Vielen Dank für den Hinweis – ich habe die kritisierte Aussage durchgestrichen und einen entsprechenden Hinweis auf Ihren Eintrag vorgenommen. Wobei: in dem Punkt stehen am Ende „Aussage gegen Aussage“ – insofern ist Ihre Formulierung „einige sachliche Fehler“ (was sind die anderen Fehler?), doch wohl höchst subjektiv.

    So müssen sich die Leser am Ende wohl ihre eigene Meinung bilden.

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