Ein Tempelherr aus Freital – Schauspieler Hilmar Eichhorn im Presseclub Dresden

Sabine Bachert im Gespräch mit Hilmar Eichhorn (Foto: R. Fröhlich)

Auf die Frage, ob es heute noch erstrebenswert sei, Schauspieler zu werden, anwortet Hilmar Eichhorn im Presseclubgespräch mit Journalistenverband-Vorsitzender Sabine Bachert: „Das muss jeder für sich selbst entscheiden, wenn er es gar nicht mehr aushält, dann soll er es versuchen.“

Hilmar Eichhorn hat es versucht und ist erfolgreich, auch dank einer guten Agentur. Seit 37 Jahren bedeuten für ihn die Bühnenbretter „die Welt“. Aber nicht nur als Tempelherr, Jedermann, Othello, Puntilla, Jago und Mephisto bewies er schauspielerisches Talent. Seine künstlerische Palette wuchs mit Filmrollen in „Lotte in Weimar“, in der DEFA- Büchner-Verfilmung „Adio piccola mia“, in Quentin Tarantinos „Inglorious Basterds“, als Gast in „Familie Dr. Kleist“ oder als Stimme des Jost Fischer im ARD-Radio-Tatort, um nur einige zu nennen.

In Radebeul übernahm er zweimal Regieaufgaben bei den Landesbühnen Sachsen. Dank profunder Russischkenntnisse filmte er auch in der Ukraine, in einer Serie über den Großen Vaterländischen Krieg. Demnächst kommt „Russendisco“ ins Kino, zum Ende des Jahres ist er als Militärstaatsanwalt in der Verfilmung „Der Turm“ zu sehen. Die bisher schwierigste Rolle sei das zweieinhalbstündige  Solo-Stück „Der Theatermacher“ des Österreichers Thomas Bernhard gewesen, wegen des gigantischen Textes.

Seine Mutter, die mit 51 Jahren anfing Bühnenbild zu studieren, habe den säumigen Schlosserlehrling auf den künstlerischen Weg gebracht. Schon in der Schule sei er der Klassenkasper gewesen, habe sich in der Laienspielgruppe im Pionierpalast erprobt. Seine erste Rolle als Neunjähriger war der Hamster in „Waldfest der Tiere“. Es folgten 1972 bis 1975 Schauspielschule in Berlin, danach erstes Engagement in Magdeburg, später Halle, nach seiner Ausbürgerung mit Familie 1989 Hamburg und Nürnberg.

„Mensch, was willst du denn in Nürnberg? Wir haben jetzt auch Westgeld“, hatte ihm Theaterintendant Peter Sodan nach der Wende zugerufen und ihn wieder nach Halle geholt. Kindheitserinnerungen führten Hilmar Eichhorn nach Freital, wo er sich und seiner Frau ein Häuschen mit Erzgebirgsblick gebaut hat. Sein Labrador und Fitness halten das Schwergewicht Eichhorn auf Trab. Roland Fröhlich

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