Das geht, das nicht: Essstäbchen-Knigge im Presseclub

Hongfeng Yang erklärt den richtigen Umgang mit Essstäbchen.

 

Mit Essstäbchen zu essen, ist gar nicht so einfach. Wer es schafft, sich bei einer Mahlzeit nicht zu bekleckern, hat schon viel richtig gemacht. Was es in der chinesischen Esskultur allerdings noch alles zu beachten gibt, erklärte Hongfeng Yang beim Clubabend am 23. Februar. Hongfeng Yang ist selbst langjähriges Mitglied des Presseclubs und Vorstandsvorsitzende des Chinesisch-Deutschen Zentrums e.V. Schon im letzten Jahr hatte sie in die Räume des Zentrums geladen. Damals gab die gebürtige Chinesin den Clubmitgliedern einen Einblick in die traditionelle chinesische Medizin. Dieses Mal konnten die Teilnehmer alles über den richtigen Umgang mit Essstäbchen lernen – inklusive kulinarischer Spezialitäten.

„Werden die Stäbchen gerade nicht gebraucht, werden sie neben die Schüssel auf dem Hashioki oder der Serviette abgelegt“, sagt Hongfeng Yang. „Und zwar gerade nebeneinander. Die Spitzen müssen gleichauf sein.“ Das ist wichtig. Ragt ein Stäbchen weiter zur Tischmitte, als das andere, gilt das als sehr unhöflich. „Mindestens genauso schlimm ist es, die Stäbchen zu überkreuzen. Auch das Ablegen auf der Schüssel gilt als unkultiviert“, sagt sie weiter. Die Chinesen sparen sich anhand der Position ihrer Essstäbchen sogar die Kommunikation: „Liegen die Essstäbchen bei Paaren jeweils separat neben der Schüssel, steht fest, dass sich das Paar trennen wird“, so Yang.
Dass es sich nicht gehört, etwa Sushi mit einem Stäbchen aufzupieksen, konnten sich die meisten wohl schon denken. Die Stäbchen in den Reis zu stecken, ist aber nicht weniger taktlos: Das ist in China ein Totenritual. Außerdem gehört es sich nicht, mit den Stäbchen auf jemanden zu zeigen, damit zu gestikulieren, daran zu knabbern oder sie fallen zu lassen. Letzteres stört den Gott der Erde und die Vorfahren.

Nach dieser ausführlichen Einführung in die richtige Benutzung der Stäbchen und ein paar Fingerübungen, eröffnete Hongfeng Yang das Buffet. Das Restaurant „Mandarin“ hatte für den Clubabend leckere Dim Sum gesponsert. Die Teigtaschen, gefüllt mit gedünstetem Fleisch, gelten als sehr aufwendig in der Zubereitung und finden sich deshalb nur selten auf den Speisekarten chinesischer Restaurants. Zum Abschluss des Abends konnten die Clubmitglieder Schnaps verköstigen. Andreas Opfermann, Mitglied des Chinesisch-Deutschen-Zentrums, gab eine Einführung in die Kunst des Teetrinkens. „In unseren Räumen bleibt die Zeit manchmal stehen“, sagt Hongfeng Yang zum Abschluss. „Unsere Gäste vergessen, was draußen vor sich geht und können entspannen.“

Text: Maria Grahl
Fotos: Chinesisch-Deutsches Zentrum e.V., Maria Grahl

 

 

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