Mügeln: Schläge nach ARD-Dokumentation?

Die „Oschatzer Allgemeine Zeitung“ hat über einen erneuten Vorfall in Mügeln (bei Oschatz) berichtet. Demnach ist ein 35-Jähriger Mann am Wochenende zusammen geschlagen worden, vermutlich weil er in der ARD-Dokumentation „Der Tag, als der Mob die Inder hetzte“ Aussagen gemacht hatte. Die Dokumentation war am 17. September ausgestrahlt worden.

Die „Leipziger Volkszeitung“ schreibt:

„Der Film hatte die Vorfälle beim Mügelner Stadtfest im August 2007 zum Thema. Das Opfer, bei dem am Wochenende Platzwunden im Gesicht und Hämatome diagnostiziert worden waren, wollte sich am Montag nicht zu dem Vorfall äußern.

Ein Bekannter erklärte, dass der 35-Jährige Angst habe. ‚Wenn ich in dem Film ausgesagt hätte, wäre sicher ich dran gewesen‘, zitiert die Zeitung den Mann. ‚Wer sagt, dass es in Mügeln keine Ausländerfeindlichkeit gibt, hat einfach Unrecht.‘ Die Polizei bestätigte den Vorfall. ‚Ich gebe den Fall jetzt an den Staatsschutz ab, weil ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann‘, sagte René Ubrich von der Ermittlungsgruppe der Polizei in Oschatz gegenüber der Oschatzer Allgemeinen Zeitung.“

Die „Torgauer Zeitung“ schrieb bereits am 21. September unter der Überschrift „“Mügeln weiß offenbar mehr“ über den ARD-Bericht:

„In der Dokumentation wurden zum Teil schwere Vorwürfe gegen Staatsanwaltschaft und Polizei erhoben, ebenso gegen den Mügelner Bürgermeister. Die Ermittlungen seien oberflächlich geführt worden, der brutale rechtsextreme Vorfall werde verharmlost. Sämtliche Mügelner Bürgerinnen und Bürger, die überhaupt bereit waren, vor die Kamera zu treten, nannten keine Namen. Für den Zuschauer entstand oft der Eindruck, dass man die Akteure kennt, aber nicht verrät.“

Die Geschichte in der „Leipziger Volkszeitung“ trägt die Überschrift „Brutaler Überfall nach Aussage über Mügeln-Ausschreitungen: 35-Jähriger verprügelt„.

Anders als die LVZ-Überschrift suggerieren mag, ist der direkte Zusammenhang zwischen den Aussagen des 35-Jährigen und den Schlägen bislang „nur“ eine Spekulation. MDR-Online weist in seinem Bericht „Überfall in Mügeln Racheakt wegen TV-Aussage?“ vorbildlich darauf hin: „Ob es sich um einen Racheakt handelt, blieb bislang unkommentiert.“

Bei „Monsters & Critics“ findet sich eine ausführliche Besprechung der ARD-Dokumentation.

Nachtrag: Jetzt berichtet auch Spiegel-Online über den Vorfall, Überschrift: „Zeuge aus TV-Doku über Mügeln verprügelt„. Die letzten Sätze der Geschichte machen Angst: „Nach Angaben der Zeitung sei in Mügeln Angst verbreitet, sich weiter öffentlich zu äußern. Ein Einwohner habe gefragt: ‚Wie sicher sind wir denn in Mügeln noch?'“

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