Finanzkrise trifft MDR: Sender „zockte“ mit TV-Gebühren (Nachtrag: Stellungnahme des MDR)


Der MDR hat über Jahre hinweg Hunderte Millionen Euro als Rücklagen in Wertpapieren angelegt. Zwischen 1994 und 1999 legte der Sender insgesamt sieben Spezialfonds an, schreibt heute die „Bild“-Zeitung unter dem Titel „MDR verzockt unsere Rundfunkgebühren„. Auch die „Mopo“ berichtet groß (leider nicht online).

Hintergrund für die Berichterstattung ist ein Bericht des Landesrechnungshofes Sachsen. Demnach ist der Wert der Fonds 2008 durch die Finanzkrise stark gesunken. „Der MDR steht offenbar vor einem Finanzdesaster“, schreibt Spiegel Online dazu. Eine offizielle Stellungnahme des MDR gab es am Vormittag nicht.

Während Spiegel Online berichtet (Titel: „MDR soll sich mit Investmentfonds verzockt haben„), dass 2005 insgesamt 537 Millionen Euro in Fonds steckten, schreibt die „Mopo“ von 138,64 Millionen. Geld zurückzulegen sei bei Landesrundfunkanstalten jedoch „gängige Praxis“, verteidigt sich MDR-Sprecher Mugrauer gegenüber der „Bild“-Zeitung: „Gelder werden angelegt, weil sie zur Bedienung zukünftiger Verpflichtungen wie Leasingraten, Betriebsrenten sowie anderer Verbindlichkeiten benötigt werden“, heißt es weiter.

Die Rügen des Rechnungshofes kommen nicht überraschend: Bereits im August 2008 hatte er den MDR aufgefordert, die Fonds aufzulösen, wie die „Mopo“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ übereinstimmend berichten. Rick Noack

Nachtrag: Unter der Überschrift „Der MDR ‚zockt‘ nicht mit Gebührengeldern“ hat der Sender nun eine Stellungnahme zur Thematik veröffentlicht. Zitat: „Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass die populistische Berichterstattung einiger Medien nicht haltbar und durch den Bericht der Landesrechungshöfe keinesfalls gedeckt ist. Im Übrigen hat der MDR die Anregungen der Rechnungshöfe aufgegriffen, die Neufassung der Dienstanweisung ist längst vom MDR-Verwaltungsrat für gut befunden worden. Am Ende bleibt: ein Sturm im (Medien-)Wasserglas – und die Feststellung: der MDR hat nicht mit Gebührengeldern an der Börse gezockt. Und: Die Anlagepolitik des MDR ist seriös und erfolgreich.

2 Gedanken zu „Finanzkrise trifft MDR: Sender „zockte“ mit TV-Gebühren (Nachtrag: Stellungnahme des MDR)

  1. Na da bin ich aber froh, daß der MDR jetzt eine seriöse Anlagepolitik hat. Muß er ja haben, denn der Immobilienskandal des MDR seinerzeit muß ja auch zu was nütze gewesen sein.

  2. Pingback: Hilker: “…wobei die Fragen, die die Interviewerin stellte, von der Intendanz vorgegeben waren”

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