Presseclub besucht DNN im neuen Domizil

Redakteure in Großraumbüro wohlauf

Eine elegante Lösung für den notwendigen Tapetenwechsel der Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) hat Chefredakteur Dirk Birgel in der vierten Etage im Haus des Buches, Ecke Waisenhaus-/Prager Straße gefunden. Seiner freundlichen Einladung zur Besichtigung folgten viele neugierige Presseclubmitglieder. Seit knapp fünf Wochen sind Verlag (14 Mitarbeiter) und Redaktion (28 Mitarbeiter) auf der „Kommandobrücke“ des gläsernen Schiffsrumpfes tätig und unter den bekannten Telefonnummern erreichbar. Ein Teil der Redakteure hat sich im Großraumbüro mit 16 Computerplätzen gut eingelebt.

Am 15. März war Redaktionsschluss in der Hauptstraße, wo ab 2013 ein neuer Hauseigentümer 30 Prozent mehr Miete forderte. Am 17. März Start im neuen Domizil. Die Betriebsfläche schrumpfte dabei von insgesamt 1500 auf 850 Quadratmeter, welche in etwa 25 sinnvoll organisierte lichte Räume unterteilt wurden. „Dennoch fiel manchem der Abschied aus dem gemütlichen Einzelbüro von der Hauptstraße schwer“, sagt Birgel. Trotz moderat sinkender Auflage (25000) erwirtschaftet das Blatt „eine gesunde Rendite, das heißt: eine schwarze Null.“

Seit zwei Jahren hat die DNN einen Online-Redakteur. Zwei Mitarbeiter liefern Neuigkeiten aus den Räumen Pirna und Radebeul. Das Kerngeschäft liegt jedoch in der Landeshauptstadt. Durch zeitliches Vorziehen der Redaktionssitzung ist man früher fertig; spätestens 23 Uhr muss alles druckfertig bei der „Mutter“ LVZ in Leipzig sein.

Schon 1893 wurden die Dresdner Nachrichten gegründet, fusionierten nach der Wende mit den schon zusammengelegten Zeitungen Sächsisches Tagblatt und Sächsische Neueste Nachrichten und im Januar 1992 endlich mit der beliebten Union.

Dem Terminjournalismus würde Dirk Birgel, seit 1999 DNN-Chef, am liebsten eine Absage erteilen, den Online-Service hingegen ausbauen. Der früher ausgezeichnete Kulturteil werde offenbar etwas vernachlässigt, kritisierte Dieter Hoefer, die Berichterstattung aus Dresdner Randgebieten ebenfalls, monierte eine Kollegin. Die anerkanntermaßen schlecht bezahlten freien Mitarbeiter leisten Beachtliches; mehr könne er aber nicht zahlen, antwortete Birgel auf die Frage von DJV-Geschäftsführer Michael Hiller. „Auch in fünf Jahren wird es noch Tageszeitungen geben“, prophezeite Birgel auf Nachfrage von Clubvorsitzender Bettina Klemm, „vielleicht aber nicht mehr in Papierform.“ – Hoffen wir das Beste, lieber Leser. Text und Fotos: Roland Fröhlich

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