Die 12. Dresdner Grünkohlkönigin startet zweisprachig in ihre Amtszeit

Gemeinsam mit dem Dresdner Presseclub hat das Hilton Dresden eine langjährige Tradition wiederbelebt und lud zum Dresdner Grünkohlessen 2024 ein. Das letzte Mal hatte das Hilton Dresden im Januar 2020 einen Neujahrsempfang als Grünkohlessen ausgerichtet. Zur Neuauflage 2024 kamen rund 150 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, darunter Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

„Das Grünkohlessen war über Jahrzehnte ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem Persönlichkeiten aus so vielen Bereichen Anfang des Jahres zusammen kamen“, erklärt der Direktor des Hilton Dresden Sebastian Goldmann. „Corona hat die Welt einmal aus den Angeln gehoben. Mit dem Grünkohlessen wollen wir als Hilton Dresden ein Leuchtturm sein und zeigen, dass wir solche Traditionen nicht einreißen lassen.“

Auch der Presseclubs Dresden e.V. schätzt die Tradition des Grünkohlessens. „Die Kommunikation zu fördern ist ein wichtiges Anliegen des Presseclubs“, sagt der Vorsitzende Tobias Wolf.

»Kommunikation ist nicht mehr allein Zwischenmenschlichkeit, produktivem Streit, Kunst und Information vorbehalten, sondern zur leider wirkmächtigen Waffe einer gesellschaftlichen Entwicklung geworden, die eingesetzt wird, um vermeintliche Minderheiten, vermeintlich Fremde, Andere, Andersdenkende einzuschüchtern, zu diffamieren und mit Lautstärke zum Schweigen zu bringen. Jene, die das tun, verbinden das mit Klagen über eine vermeintlich beschnittene Meinungsfreiheit, ohne erkennen zu wollen oder zu können, dass diese Freiheit nicht von Kritik oder Gegenrede befreit.
Von einem rechten Rand reicht diese Verrohung inzwischen bis hinein in die gesellschaftliche so genannte bürgerliche Mitte, – und als Sachse erlaube ich mir zu sagen – an deren Bürgerlichkeit hier im Freistaat manchmal mehr Zweifel angebracht sind als andernorts.«

Tobias Wolf


„Mit den Clubabenden des Presseclubs wollen wir Gelegenheiten schaffen für Gespräche und die Pflege der Diskussionskultur in Dresden“, so Wolf.

Das Grünkohlessen war schon immer ein perfekter Rahmen, um sich bei einem guten Essen über Themen auszutauschen, die die Stadt bewegen. Das Küchenteam des Hilton Dresden hat sich dem Thema Grünkohl auf sehr kreative Weise gewidmet. Die Vorspeise war asiatisch inspiriert und vereinte einen Glasnudelsalat mit Grünkohl, Sushi mit Grünkohl-Kürbis und California Rolls mit knusprigem Grünkohl-Crunch. Im Hauptgang wurde der Grünkohl mit Irischem Beef und Garnele kombiniert bzw. in der vegetarischen Variante mit geröstetem Tofu serviert. Erstmals gab es neben Wein aus Sachsen auch eine abgestimmte Begleitung mit Bieren aus dem breiten Sortiment der Radeberger Gruppe. Die Auswahl traf der Biersommelier Tobias Meißner, Bierbotschafter der Radeberger Exportbierbrauerei, welche die Veranstaltung als Sponsor unterstützt.

Insgesamt haben die Köche unter anderem 90 kg Grünkohl, 30 kg Irisches Beef und 10 kg Garnelen verarbeitet. Das Dessertbuffet wurde im Foyer präsentiert und lud zu einem Streifzug durch europäische Küchen ein: mit Baklava und Joghurt-Mousse, Zitronen Tarte und Créme Catalana. Auch hier spielte der Grünkohl eine Rolle. Er sorgte als salziger Crunch für einen spannenden Kontrast zum süßen Dessert.

Die Ernennung des Grünkohlkönigs ist Teil der Veranstaltung

Seit 2007 wird während des Grünkohlessens der Titel eines Grünkohlkönigs bzw. einer -königin an eine herausragende Persönlichkeit verliehen. Diese wird für das bisherige Engagement für die Stadt Dresden ausgezeichnet und bekommt symbolisch die Aufgabe, während der Amtszeit die Stadt weiterhin voran zu bringen und über die Grenzen Dresdens hinaus zu wirken. Die Majestät wird durch den Vorstand des Presseclubs und das Hilton Dresden ausgewählt.

Seit 2020 war der Intendant der Jazztage Dresden Kilian Forster Grünkohlkönig und bedingt durch die Coronakrise besonders lange im Amt. In dieser Zeit engagierte sich Kilian Forster mit der Aktion „Stumme Künstler“ für die Unterstützung von Künstlern in der Coronazeit und wirkte damit weit über die Stadtgrenzen hinaus. Bis heute ist es ihm trotz großer Herausforderungen und auch kontroverser Diskurse gelungen, die Jazztage Dresden als wichtigen Teil im kulturellen Leben der Stadt zu erhalten. Die Vielfalt der Konzerte lockt zwischen 20 und 30 Prozent Gäste von außerhalb an, auch das gehört zu seinen Verdiensten.

Die Direktorin der Dresden International School wurde zur Grünkohlkönigin ernannt

Als Nachfolgerin wurde Carla Marschall, die Direktorin der Dresden International School (DIS), ernannt. Die gebürtige US-Amerikanerin kam 2022 aus Singapur nach Dresden und war bereits an verschiedenen internationalen Schulen in Asien, der Schweiz und in Deutschland in Führungspositionen tätig. An der DIS werden etwa 500 Kinder und Jugendliche aus 50 Nationen mehrsprachig unterrichtet. Die Mehrsprachigkeit hat für Carla Marschall in der Pädagogik einen großen Stellenwert, denn sie beeinflusst auch den interkulturellen Austausch und die Fähigkeit, die Perspektive zu wechseln.

Der Vorschlag, Carla Marschall zur Grünkohlkönigin zu ernennen, stammt vom Direktor des Hilton und wurde durch den Vorstand des Presseclubs sofort unterstützt. Sebastian Goldmann war selbst 20 Jahre in Asien tätig. Seine Kinder wachsen zweisprachig auf und werden an der DIS unterrichtet. „Meine Familie steht ebenso wie die Hotellerie für Weltoffenheit, Internationalität und ein friedliches Miteinander. Genau diese Werte vermittelt Carla Marschall mit ihrem Team der nächsten Generation, daher ist sie die perfekte Kandidatin für eine Grünkohlkönigin.“

In ihrer zweisprachigen Antrittsrede erklärt Carla Marschall: „Es ist mir eine Ehre, zur Grünkohlkönigin ernannt zu werden. Dresden befindet sich in einer so spannenden Zeit, was die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung betrifft. Ich freue mich sehr und möchte dazu beitragen, dass Dresden insbesondere in der interkulturellen Kompetenz eine weiterhin positive Entwicklung nimmt.“

Die Inspiration für die Persönlichkeit eines Dresdner Grünkohlkönigs lieferte das „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Ätender“ – der Neujahrsempfang der Grünkohl-Stadt Oldenburg in Berlin. Dort wird seit 1956 jährlich ein/e Grünkohlkönig /-königin gekrönt. Auf der Liste der Majestäten finden sich unter anderem alle Bundeskanzler seit 1974. Momentan hält Christian Lindner das Zepter in der Hand. Als Dresdner Grünkohl-Majestäten waren bisher im Amt: Prof. Dr. Hermann Kokenge, Jan Vogler, Dr. Michael Hupe, Helma Orosz, Reiner Calmund, Prof. Dr. Georg Milbradt, Prof. Dr. Müller-Steinhagen, Wilfried Schulz, Prof. Wolfgang Donsbach und Viola Klein.
Die Idee des Dresdner Grünkohlessens entstand bereits im Jahr 1990 auf einem Wirtschaftsgipfel der Städte Hamburg und Dresden, bei dem die Weichen für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit der beiden Elbestädte gestellt wurden.

Mehr über Carla Marschall: Dresden Internation School | Leadership

Text von Sabine Mutschke, Fotos von Marcus Hartelt

Hinweis, da uns Rückfragen erreichten: 
Das Grünkohlessen ist der Neujahrsempfang des HILTON Dresden und wird vom Hotel federführend organisiert und finanziert. Es nehmen nur geladene Gäste teil, vorwiegend Geschäftspartner des HILTON und Journalisten, die über die Veranstaltung berichten möchten. Der Presseclub ist Partner in Bezug auf die Ernennung der Grünkohlmajestät. Der Vorstand unterstützt die Veranstaltung ehrenamtlich mit Redebeiträgen und in der Kommunikation und war mit drei Mitgliedern vor Ort. Dass Presseclubmitglieder zum Grünkohlessen eingeladen werden, wäre bei 130 Mitgliedern logistisch und finanziell nicht machbar.