Die Carolabrücke – „mehr Zentrum geht nicht!“, sagt Steffen Marx. Und weiß, wovon er spricht: Denn der Direktor des Instituts für Massivbau an der TU Dresden ist der Mann hinter der Ursachenforschung zum Einsturz der Carolabrücke. Folgerichtig standen die Zukunft der neuen, alten Elbquerung und er im Mittelpunkt des letzten Clubabends im Dresdner Presseclub.
Marx weitete zunächst den Blick über Dresden hinaus. „In Italien stürzt jedes Jahr mindestens eine Brücke ein. Wenn wir so weitermachen, kommen wir auch dahin.“ Deutschland habe keine schlechten Bauwerke, pflege sie aber unzureichend. Infrastruktur werde über Jahre auf Verschleiß gefahren, Investitionen würden zugunsten kurzfristiger Wahlversprechen vertagt. Über 1000 Brücken bundesweit seien mit jenem Spannstahl gebaut, der auch bei der Carolabrücke verbaut wurde. Ein Sondervermögen allein reiche für die Bauwerke nicht aus.
Wie den Berichterstattungen der DNN, der Sächsischen Zeitung und der Dresdner Morgenpost bzw. TAG24 zu entnehmen waren, muss sich der Abend aber um erfreulichere Dinge gedreht haben: Die schier unendliche Spurendiskussion entlang der Brücke etwa. Eine neue Elbquerung müsse leistungsfähig sein – vier Autospuren seien dafür aber nicht zwingend nötig, formulierte Marx am Abend auch, nun, deutlich. Staus entstünden meist nicht auf der Brücke selbst, sondern an den Kreuzungen davor und dahinter. Würden diese Bereiche umgebaut, ließe sich der Verkehr auch mit weniger Spuren flüssig organisieren.
Für Marx ist klar: Dresden habe mit dem Neubau eine seltene Chance. „Die Carolabrücke – mehr Zentrum geht nicht. Lasst uns die Chance nutzen und gemeinsam sagen, was wir unter einer guten Brücke verstehen.“
Dank des Moderators des Abends, Journalist Peter Hilbert, haben Sie die Chance, den Presseclub zu unterstützen und ebenso davon zu profitieren. Denn Hilbert ist nicht nur ein ausgewiesener Experte in sämtlichen Brücken-, Kraftwerks- und anderen technischen Fragen. Er ist auch Autor des Buches „Der Brückeneinsturz. Dramatische Ereignisse, Geschichte und Geschichten rund um die Carolabrücke und andere Dresdner Elbebrücken“, das es in den „DDV Lokalen“ und Buchhandlungen zu erstehen ist. Die Einnahmen möchte Hilbert freundlicherweise dem Presseclub spenden. Wir danken dir dafür sehr, lieber Peter.

Text und Bild: Erik Töpfer