Das Erich-Kästner-Museum „Spitz auf Knopf“ vor der Schließung

„Resignation ist kein Gesichtspunkt“, sagte Andrea O’Brien beim Clubabend des Dresdner Presseclubs im Erich-Kästner-Museum. „Aber der Selbstschutzknopf ist in der Nähe.“ Besser ließe sich dieser Abend kaum zusammenfassen. Denn wir sprachen mit der Leiterin des Hauses nicht nur über die Geschichte eines besonderen Museums, sondern auch über einen Ort, der für kulturelle Bildung, bürgerschaftliches Engagement und die freie Szene in der Stadt steht. Und nun um seine Existenz bangen muss.

Was das Haus so besonders macht, erklärte O’Brien gleich zu Beginn: Es ist kein klassisches Literaturmuseum, sondern ein Ort der aktiven Entdeckung. Über sechs Jahre hinweg entstand aus Spendengeldern, Sachleistungen und viel Beharrlichkeit ein Museum, das seine Besucher nicht zu passiven Rezipienten machen will. Mehr als 500 Exponate in Schubladen, Hörstationen und mobilen Elementen laden dazu ein, sich Kästners Werk selbst zu erschließen. Der Nutzer werde hier – ganz im Sinne Kästners – zu seinem eigenen Wissensredakteur, so O’Brien treffend.

Schnell wurde der Abend aber auch (kultur)politisch. O’Brien schilderte sehr konkret, wie hart die Einschnitte die freie Kulturszene treffen. Beim Kästner-Haus kommen gestiegene Kosten und gekürzte Zuschüsse durch Stadt und Land zusammen; allein die Miete sei um mehr als 12.000 Euro gestiegen, zugleich seien 10.000 Euro Förderung weggefallen. Das kann ein so kleines Team kaum auffangen. Auf dem Papier gibt es eine volle, kaum eine halbe Stelle, einen FSJler und Praktikanten. Dabei ist das Interesse an dem Haus ungebrochen: Schulanfragen sind regelmäßig überbucht, und weil Kästner in mehr als 70 Sprachen übersetzt ist, kommen auch viele Anfragen aus dem Ausland. 

Gefährdet ist hier kein Liebhaberprojekt am Stadtrand, sondern ein vermittelnder Ort in der Mitte der Landeshauptstadt. O’Brien warb deshalb für mehr Planungssicherheit, für neue Verbindungen zwischen Kultur, Politik und Privatwirtschaft und für einen breiteren kulturpolitischen Blick. Kultur, so klang es an diesem Abend immer wieder an, ist eben nicht das Sahnehäubchen, sondern der Ort, an dem Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommt. 

Und natürlich ging es immer wieder um Kästner selbst. Seine Vielseitigkeit, seine Nähe zu den Medien, sein Humanismus, seine Themen von sozialer Gerechtigkeit bis Pazifismus – all das macht ihn, so O’Brien, bis heute anschlussfähig. Wer mit Kästner sozialisiert sei, habe nicht nur in diesem Museum das Gefühl, „hier ist der Mensch gemeint“. Genau das ist wohl die größte Stärke dieses Hauses.

Text: Erik Töpfer