Der Presseclub Dresden ist das Forum für Dialog und Debatte in der sächsischen Landeshauptstadt. Seit über drei Jahrzehnten bringen wir Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur an einen Tisch – offen, meinungsstark und immer nah an den Themen, die Dresden, Sachsen und darüber hinaus bewegen.
Als unabhängige Plattform für Journalistinnen und Journalisten sowie engagierte Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen schaffen wir Raum für fundierten Austausch, kritische Fragen und neue Perspektiven. Unsere Clubabende geben Einblicke hinter die Kulissen aktueller Entwicklungen – regional, national und international.
Dresden braucht Orte für echten Diskurs. Wir sind einer davon. Seien Sie herzlich eingeladen – zum Zuhören, Mitdenken und Mitreden.
Am 1. Dezember fand der letzte Clubabend des Jahres des Presseclub Dresden statt und er hätte kaum einen stärkeren, passenderen Abschluss bilden können. Wir waren zu Gast im Ukrainischen Haus im Quartier an der Frauenkirche, um mit Natalija Bock, der Trägerin des Erich-Kästner-Preises 2024, ins Gespräch zu kommen.
Seit dem 1. Januar leitet Daniel Heine das Amt für Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Protokoll der Landeshauptstadt Dresden. Am 27. Oktober war er im Presseclub unser Gast. Im Gespräch mit Vorsitzendem Andreas Weller erzählte er sehr locker vom Glück und Leid an der Spitze der Pressestelle. Dabei sei das Presseamt mit rund 20 Mitarbeitenden so etwas wie ein Nadelöhr und müsse verschiedene Interessenlagen faktenunterfüttert berücksichtigen. Etwa hundert weitere Personen arbeiten in den verschiedenen Ämtern der Stadt zu Fragen der Kommunikation. Während aktive Journalistinnen und Journalisten gern möglichst schnell und aus erster Hand Antworten auf ihre Fragen wünschen, forderte ein Presseclubmitglied, dass die Stadt wie ein Konzern zu leiten sei und nur abgestimmte Positionen veröffentlichen sollte.
Verein Matteo gibt Geflüchteten Sicherheit: Vorsitzender Stephan Theo Reichel spricht im Presseclub über Kirchenasyl
Weil der Rechtsstaat oft versage, sei das Kirchenasyl notwendig, sagte Stephan Theo Reichel bei seinem Besuch im Presseclub am 8. September. Er kommt aus München und ist Vorsitzender des Vereins Matteo- Kirche und Asyl sowie Beauftragter für Flüchtlingsarbeit der Evangelischen Herrnhuter Brüdergemeinde. Ausführlich erzählte er im Gespräch mit Presseclubmitglied und Kästner-Preisträger Frank Richter von den Möglichkeiten des Kirchenasyls und den Anfängen seiner Arbeit in Bayern. Kirchenasyl stammt übrigens aus dem Mittelalter und wurde 1803 abgeschafft, seit den 1980er erfahre es jedoch eine Wiederbelebung, weil der Rechtsstaat nicht funktioniere.
Und wieder war er ausverkauft – der nunmehr 17. SommerSchwatz. 160 Gäste waren der Einladung ins Innside Hotel by Mélia gefolgt und setzten das Anliegen des Abends begeistert in die Tat um: es wurde geschwatzt, geplaudert, diskutiert – zunächst im Innenhof, später sogar in der Hotellobby.
Themen gab es viele, vor allem nach den Impulsen, die der Co-Vorsitzende Tobias Wolf in seiner Begrüßungsrede setzte. „Im digitalen Dauerfeuer scheint das Miteinander?Sprechen auf dem Rückzug gegenüber dem Übereinander-Sprechen“, so seine Feststellung. „Sich auf den anderen einzulassen, ohne menschliche und demokratische Leitplanken zu vergessen, und deutlich zu widersprechen, wo sie verletzt oder beseitigt werden sollen“, so sein Wunsch an Politik, Gesellschaft, die Medienbranche und an jeden Einzelnen. Lars Radau, Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbandes in Sachsen, knüpfte daran an, beleuchtete die Situation der Medienlandschaft in Sachsen und fand hier auch deutlich kritische Worte.
Das Innside Hotel schuf in bewährter Weise den Rahmen und übernahm die kulinarische Begleitung des Abends mit einer großartigen Teamleistung. Das Ganze zu so großzügigen Konditionen, dass dafür ein extra Dank gebührt. Das Buffet galt als Feuerprobe des neuen Küchenchefs Vladimir Schuldeis, die er mit Bravour gemeistert hat. Weitere Partner und Sponsoren des Presseclubs rundeten den Abend ab. So steuerten Wolle Förster und sein Team von „Sushi & Wein“ traditionell ein Sushi-Buffet bei. Dazu gab es wie seit vielen Jahren frisch gezapftes Radeberger Pilsner und alkoholfreie Getränke von Oppacher. Die Weine spendierten vier Winzergenossenschaften aus dem Kaiserstuhl in Baden. Erstmals lud die Likörfabrik Gustav Müller an eine Gin-Tonic-Bar inklusive eines alkoholfreien Cocktails ein.
Für die musikalische Umrahmung sorgte der Musiker George Pesek, der durch die Jazz- und Eventagentur Gabriele Kaul vermittelt wurde.
Zwei Euro pro Eintrittskarte und auch den erwarteten Überschuss nach Abrechnung der ausverkauften Veranstaltung überweist der Club an seine Stiftung zur Finanzierung des Erich-Kästner-Preises. Er wird im Zwei-Jahres-Rhythmus – das nächste Mal 2026 – an eine Persönlichkeit verliehen, die sich um Toleranz, Humanismus und Völkerverständigung verdient gemacht hat.
Der SommerSchwatz ist nur möglich dank der Partner und Sponsoren, die dem Club bei der Vorbereitung und Durchführung zur Seite stehen. Deshalb geht ein herzliches Dankeschön auch an die VONOVIA, die SachsenEnergie AG, und die Ostsächsische Sparkasse Dresden, die es mit ihrer finanziellen Zuwendung ermöglichen, dass der Eintritt zum SommerSchwatz erschwinglich bleibt. Außerdem danken wir dem Postdienstleister PostModern, der den Versand der Einladungen übernommen hatte.
Neben der Verleihung des Erich-Kästner-Preises hat sich der SommerSchwatz als feste Konstante im Kalender der Presseclubs Dresden e.V. etabliert. In diesem Sinne beginnen schon bald die Vorbereitungen auf den 18. SommerSchwatz 2026.
Interessante Einblicke in die Arbeit der Deutschen Presseagentur (dpa) gaben beim Clubabend am 30. Juni 2025 Christine Raatz und Jörg Schurig. Die dpa . schon aufgrund der Gründung vor 75 Jahren vorrangig mit den Printmedien verbunden (150 Medienunternehmen sind Gesellschafter der dpa), kann als weltweit agierende deutsche Nachrichtenagentur auf eine nahezu geschlossene Abnehmer-Front der großen klassischen Medien verweisen. Basis dafür ist die nachrichtendienstliche hohe Qualität. Meldungen verlassen erst dann das Haus, wenn unmittelbar selbst und mindestens einmal gegenrecherchiert wurde. Damit sei man zwar nicht immer der Erste, aber fast hundertprozentig der Sachlich-Exakteste. Auch der kleinste Fehler werde korrigiert, so die Gäste der Runde im Dresden 1900.
Die Presseclub-Mitglieder erfuhren viel über Themenfindung und –planung und auch kleine Details und Interna aus der täglichen Arbeit. Jörg Schurig, seit 2018 Außenbüroleiter bei dpa Dresden, verriet, dass er den Hauptteil seiner Arbeit dem Geschehen im Landtag widmet. Für eine Sommer-Hitze-Story wolle er sich aber am Folgetag Zeit nehmen und mit Fotograf zur Recherche vor Ort ins nahe Meißen fahren.
Christine Raatz, als Co-Pilotin in der dpa-Außenstelle Berlin unter anderem für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig, gab einen Überblick über Struktur und Arbeitsweise der dpa insgesamt. Die Agentur zähle zu der größten unabhängigen Nachrichtendiensten weltweit und informiere zuverlässig in sieben Sprachen. Die dpa ist den Fakten verpflichtet und steht für verlässliche und verifizierte Nachrichten, Bilder, Audios und Videos, Grafiken und weitere Formate.
Christine Raatz und Jörg Schurig ließen erkennen, dass ihnen die Arbeit bei der dpa Spaß macht. Auch nach dem offiziellen Teil waren noch zahlreiche Fragen zu beantworten….
Bei unserem Clubabend am 16. Juni 2025 wurde uns ein erster Einblick in die World Transplant Games (WTG) gegeben: Ein Sportereignis voller Lebensfreude, sportlicher Höchstleistung und einem starken Appell für mehr Organspendenbereitschaft!
Vom 17. bis 24. August 2025 ist Dresden Gastgeber der World Transplant Games. Sie finden erstmals in Deutschland und zum ersten Mal unter Einbeziehung von Publikum statt. Über 1.700 Athleten und Athletinnen aus 60 Nationen treten in 17 verschiedenen Sportarten an. Alle Sportler verbindet eines: Sie leben dank einer Organspende. Und sie nutzen diese zweite Chance, um sportliche Höchstleistungen zu zeigen.
Warum aber Dresden als Austragungsort?
Die Wahl fiel bewusst auf die sächsische Landeshauptstadt und erstmals seit 1978 auch auf Deutschland:
1. Dresden punktet mit kurzen Wegen: Die meisten Sportstätten liegen sehr zentral auf dem Campus rund um den Ostrapark und sind fußläufig gut erreichbar.
2. Unterbringung: Es gibt ausreichende Hotelkapazitäten für Athlethen und Athletinnen, Teams und Gäste.
3. Vor allem aber soll die Veranstaltung gezielt Aufmerksamkeit für das Thema Organspende schaffen. Gerade in Deutschland besteht dringender Handlungsbedarf.
Während Länder wie Spanien mit über 50 Organspendern pro Million Einwohner europaweit Spitzenreiter sind, liegt Deutschland mit nur rund 9 Spendern pro Million Einwohner weit abgeschlagen am unteren Ende der Statistik. Die World Transplant Games wollen deshalb in Dresden und Deutschland ein gesellschaftliches Bewusstsein schaffen: für mehr Spendenbereitschaft, bessere Aufklärung und klare politische Regelungen.
Gudrun Manuwald-Seemüller, 1. Vorsitzende des Vereins TransDia e.V., und Eberhard Schollmeyer, 2. Vorsitzender, beide selbst transplantiert, berichteten offen und bewegend von ihren persönlichen Erfahrungen. Sie zeigten, wie viel Lebensqualität durch eine Organtransplantation zurückgewonnen werden kann und welche zentrale Rolle der Sport dabei spielt. René Kindermann moderierte den Abend.
Alle Wettkämpfe sind öffentlich zugänglich, der Eintritt ist kostenlos. Damit setzen die Veranstalter ein starkes Zeichen für Transparenz, Teilhabe und Inklusion.
„Die Spiele sind nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern auch ein Fest des Lebens, der Dankbarkeit gegenüber Spenderinnen und Spender und deren Familien und ein Appell an alle, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen“ sagt Eberhard Schollmeyer.
„Man kann nichts aufmachen, was man nicht einfangen kann“, sagt Johannes. „Aber es ist immer einen Versuch wert“, ergänzt Jonathan.
Am 19. Mai waren Jonathan Schörnig und Johannes Filous im Presseclub Dresden zu Gast. Als Regisseur und Kameramann vom Dokumentarfilm „Einhundertvier“ sind die beiden Sachsen frischgebackende Grimmepreisträger.
Denn ihr Film schaut hin. In dem Augenblick, als das Rettungsschiff Eleonore im Mittelmeer ein Schlauchboot mit Menschen sichtet, entsendet es ein kleines Rettungsboot – und multiple Kameraperspektiven werden aktiv. Zwei davon befinden sich an Helmen von Besatzungsmitgliedern, zwei sind fest installiert, zwei flexibel. Mithilfe eines sechsteiligen Splitscreens zeigt der Dokumentarfilm eine Seenotrettung in Echtzeit. Und hat dafür in diesem Jahr den Grimmepreis verliehen bekommen.
„Jonathan Schörnigs Film enthält sich jedes Kommentars“, schrieb die Grimme-Jury zu ihrer Begründung, „in den ersten 85 der 90 Minuten entdeckt stattdessen das Publikum in Echtzeit selbst, was bei der späteren Berichterstattung oft übergangen wird: wie gefährlich jede einzelne dieser Rettungsaktionen ist. […] wie verzweifelt jemand sein muss, um eine solche lebensgefährliche Flucht auf sich zu nehmen – und wie ignorant und unmenschlich Europas Staaten sind, den Menschen in Todesgefahr die Hilfe verweigern.“
Beim Clubabend im 1900 blickten wir darauf, wie ein Dokumentarfilm und die davor zunächst produzierten Beiträge für Funk und Fernsehen auf hoher See und engem Raum entstehen. Wie nah dran eigentlich zu nah dran ist. Und was man mit Journalismus überhaupt noch erreichen kann. Denn auch im letzten Jahr starben oder verschwanden 2600 Menschen bei dem Versuch, die tödlichste Fluchtroute der Welt zu durchqueren.
„Die Frage kann ich eigentlich nur zurückgeben“, sagte Jonathan nach längerer Bedenkzeit. „Aber es ist immer einen Versuch wert.“
KI kann enorme Zeiteinsparung bringen, aber es ist kein Selbstläufer
Macht die Künstliche Intelligenz Journalisten und Journalistinnen bald arbeitslos? Was ist KI? Um diese Fragen ging bei beim Gespräch im Presseclub am 12. Mai.
Zu Beginn klärte Presseclubmitglied Peter Stawowy, der die Moderation übernommen hatte, die Begriffe: „Künstliche Intelligenz (KI) kann zunächst als die Fähigkeit von Computersystemen definiert werden, Aufgaben auszuführen, die die menschliche Intelligenz erfordern.“ Dazu gehören Lernen, Schlussfolgern, Problemlösen, Wahrnehmung und die Entscheidungsfindung. (Gemini) Eine präzise Definition lasse sich im National Artificial Intelligence Act von 2020 (US) finden, der KI als ein maschinelles System beschreibt, das für eine gegebene Menge menschlich definierter Ziele vorhersagen, Empfehlungen oder Entscheidungen treffen kann, die reale oder virtuelle Umgebungen beeinflussen.
Stawowy sieht den Begriff Intelligenz in diesem Zusammenhang zugleich kritisch. Die aktuellen Technologien, die als „künstliche Intelligenz“ bezeichnet werden, seien in ihrer Fähigkeit, menschliche Intelligenz nachzubilden, von Natur aus begrenzt. Dennoch ist die Technik weit verbreitet. Als Beispiele seien genannt: digitale Assistenten wie Siri, Alexa, Google Assistant und Cortana, Suchmaschinen-Algorithmen, Soziale Medien/Netzwerke, Autokorrektur bei der Textverarbeitung, Betrugsprävention bei Finanzinstituten, Einsatz für die Diagnose in der Medizin und Robotik-Steuerung bei Montagelinien. Täglich gebe es 130 neue KI-Funktionen.
Längst Alltag ist die Verwendung von KI bei Thomas Wolf, Chef der Firma publizer GmbH. Er war einst Digitalchef bei der Sächsischen Zeitung, bevor er sich vor etwa zehn Jahren selbstständig machte und unter anderen die Plattform „DieSachsen.de“ als interaktives Online-Angebot entwickelte. Dafür nutzt er unter anderem Beiträge der Nachrichtenagentur dpa und veröffentlicht insgesamt 20 bis 30 Texte und Bilder am Tag.
Durch die Nutzung entsprechender Übersetzungsfunktionen kann publizer die Texte auch schnell in Fremdsprachen veröffentlichen. Das hat auch dem Presseclub Dresden bei der Verleihung des Erich-Kästner-Preises an Natalija Bock geholfen. So konnten wir die Pressetexte sofort auch in ukrainischer Sprache veröffentlichen, erläuterte die stellvertretende Presseclubvorsitzende Sabine Mutschke.
Thomas Wolf sieht seine Plattform auch als Perspektive für freie Journalistinnen und Journalisten. Hier können Journalisten über einen gesonderten Zugang ihre Inhalte direkt auf DieSachsen.de veröffentlichen und dabei von der ständig wachsenden Reichweite profitieren. Die KI-Integration unterstützt sie beim Erstellen und Optimieren der Texte. Das bringe eine enorme Zeitersparnis von mindestens 75 Prozent.
Einer der Nutzer der Plattform ist Presseclub-Mitglied Ulf Mallek. Seit dem 18. November 2024 veröffentlicht er mit einem kleinen Team von Lokaljournalisten newsorientierte, abofreie Nachrichten für Meißen, Radebeul, Coswig, aber auch Riesa und Großenhain und des gesamten Landkreises Meißen. Die Plattform ermögliche ihm dabei eine hohe Produktivität.
Aber, da waren sich alle drei Gesprächspartner des Abends einig: KI und das Nutzen von Bots wie etwa ChatGPT und Grok erleichtert die Arbeit. Aber das Problem – der Mensch – sitzt vor dem Computer. Deshalb sei ein genaues Prüfen der Inhalte unabdingbar. „So hatten wir in den neun Jahren am Markt bisher keine Probleme“, versicherte Thomas Wolf. In jedem Fall wird das Thema weiterhin spannend sein.
Text und Fotos: Bettina Klemm, Antje Herrmann
Achtung, Werbung: Peter Stawowy veranstaltet am 22. Mai 2025 seine nächste Praxiswerkstatt „KI in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“.