Kontroverse als Programm: Holger Friedrich im Presseclub Dresden

Einigkeit bestand wohl nur in der Kontroverse: Am 19. März war Holger Friedrich zu Gast im „Presseclub Dresden“. Der Unternehmer hatten erst die „Berliner Zeitung“ übernommen und sorgt seit kurzem mit der Gründung der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (OAZ) für Aufsehen in der Medienbranche. Das brachte viel Diskussionsbedarf mit sich.

Selten zog ein Clubabend so viele Interessenten an, der Grund lag auf der Hand. Holger Friedrich provoziert: Widerspricht die Gründung eines neuen Printprodukts dem Branchentrend, so tun es Feierlichkeiten in der Russischen Botschaft dem politischen Taktgefühl vieler. So verwundert es nicht, dass es viele Fragen an den neuen Spieler im ostdeutschen Mediengeschäft gab. Nicht nur, dass Friedrich antwortet, er geht gleich in die Offensive. Dass der OAZ-Chefredakteur Dorian Baganz schon nach kurzer Zeit hinschmiss, sei Folge konzeptioneller Ideen, die der junge Journalist nicht mitgehen wollte, aus Friedrichs Sicht ein Fehler. Doch seine Sicht bleibt streitbar: So erntete er im Saal einige ungläubige Blick als er den Abriss des „Palasts der Republik“ mit der Sprengung der Buddha-Statuen von Bamiyan durch die Taliban im Jahr 2001 verglich.

Kritisch merkt Friedrich an, dass im derzeitigen Journalismus ein Übergewicht der Meinung über den Fakten bestehe. Bei ihm würden alle zu Wort kommen, seine rote Linie wären Aufrufe zur Gewalt. Deshalb auch das recht unkritische Porträt des AfD-Chefs Tino Chruppala in der OAZ. Es kämen in der Zeitung ja auch Ministerpräsident Michael Kretschmer oder Linke zu Wort. Die Einschätzung des Verfassungsschutzes spiele da für ihn keine Rolle. Mit Blick auf die Ostberichterstattung störe ihn „der ganze Naziquatsch“, denn es gebe da „nur ein paar Idioten“. Die EU wiederum sei „die geilste Geschichte, die je passiert ist“.

An Selbstbewusstsein fehlt es Holger Friedrich dabei nicht: Die OAZ werde das führende Medium in Ostdeutschland werden und auch Einmischung in die Redaktion behält er sich vor: „Wenn es sein muss, habe ich das letze Wort“, sagt er und beklagt sich über die Macht von Betriebsräten in Deutschland. 

Doch warum das alles? „Der romantische Reflex eines Ostdeutschen“, begründet Holger Friedrich sein Projekt. Streit nimmt er dabei durchaus in Kauf, sagt zu seiner Blattlinie: „Umso kontroverser etwas ist, desto besser!“ Das gilt wohl auch für Diskussionsrunden mit ihm. 

Text: Eric Hofmann, Bilder: Holm Helis

Vom Einsturz zur Vision. Die Carolabrücke als Zukunftsprojekt für Dresden

Die Carolabrücke – „mehr Zentrum geht nicht!“, sagt Steffen Marx. Und weiß, wovon er spricht: Denn der Direktor des Instituts für Massivbau an der TU Dresden ist der Mann hinter der Ursachenforschung zum Einsturz der Carolabrücke. Folgerichtig standen die Zukunft der neuen, alten Elbquerung und er im Mittelpunkt des letzten Clubabends im Dresdner Presseclub.

Marx weitete zunächst den Blick über Dresden hinaus. „In Italien stürzt jedes Jahr mindestens eine Brücke ein. Wenn wir so weitermachen, kommen wir auch dahin.“ Deutschland habe keine schlechten Bauwerke, pflege sie aber unzureichend. Infrastruktur werde über Jahre auf Verschleiß gefahren, Investitionen würden zugunsten kurzfristiger Wahlversprechen vertagt. Über 1000 Brücken bundesweit seien mit jenem Spannstahl gebaut, der auch bei der Carolabrücke verbaut wurde. Ein Sondervermögen allein reiche für die Bauwerke nicht aus.

Wie den Berichterstattungen der DNN, der Sächsischen Zeitung und der Dresdner Morgenpost bzw. TAG24 zu entnehmen waren, muss sich der Abend aber um erfreulichere Dinge gedreht haben: Die schier unendliche Spurendiskussion entlang der Brücke etwa. Eine neue Elbquerung müsse leistungsfähig sein – vier Autospuren seien dafür aber nicht zwingend nötig, formulierte Marx am Abend auch, nun, deutlich. Staus entstünden meist nicht auf der Brücke selbst, sondern an den Kreuzungen davor und dahinter. Würden diese Bereiche umgebaut, ließe sich der Verkehr auch mit weniger Spuren flüssig organisieren.

Für Marx ist klar: Dresden habe mit dem Neubau eine seltene Chance. „Die Carolabrücke – mehr Zentrum geht nicht. Lasst uns die Chance nutzen und gemeinsam sagen, was wir unter einer guten Brücke verstehen.“

Dank des Moderators des Abends, Journalist Peter Hilbert, haben Sie die Chance, den Presseclub zu unterstützen und ebenso davon zu profitieren. Denn Hilbert ist nicht nur ein ausgewiesener Experte in sämtlichen Brücken-, Kraftwerks- und anderen technischen Fragen. Er ist auch Autor des Buches „Der Brückeneinsturz. Dramatische Ereignisse, Geschichte und Geschichten rund um die Carolabrücke und andere Dresdner Elbebrücken“, das es in den „DDV Lokalen“ und Buchhandlungen zu erstehen ist. Die Einnahmen möchte Hilbert freundlicherweise dem Presseclub spenden. Wir danken dir dafür sehr, lieber Peter.

Text und Bild: Erik Töpfer

Neuer Vorstand für den Presseclub Dresden gewählt

Im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung hat der Presseclub Dresden die Weichen für die kommenden zwei Jahre gestellt. Die Mitglieder wählten einen Vorstand, der Kontinuität und neue Impulse miteinander verbindet.

Neu in das Gremium gewählt wurden Barbara Knifka als Beisitzerin und Alexander Holzhauer als Schatzmeister. Beide bringen umfassende Expertise, wertvolle Netzwerke und große Verbundenheit mit dem Journalismus mit. Mit ihrem Engagement werden sie die Arbeit des Presseclubs in den kommenden zwei Jahren aktiv mitgestalten.

Weiterhin an Bord sind die beiden Vorsitzenden Andreas Weller und Tobias Wolf sowie Sabine Mutschke und Michael Hiller als Stellvertreter sowie Erik Töpfer und Thomas Kaulfuß als Beisitzer. Sie stehen für Erfahrung, Stabilität und eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Clublebens.

Im Zuge der Versammlung wurden zudem zwei langjährige Vorstandsmitglieder verabschiedet: Juliane Federowski und Bettina Klemm. Beiden gilt unser herzlicher Dank für ihr Engagement und ihren Einsatz für den Presseclub Dresden.

Ein besonderer Dank richtet sich an Bettina Klemm, die über viele Jahre hinweg prägend im Vorstand gewirkt hat. Mit ihren Ideen, ihrer Energie und ihrer spürbaren Leidenschaft für den Journalismus hat sie wichtige Impulse gesetzt und den Club nachhaltig bereichert. Umso mehr freuen wir uns, dass sie dem Presseclub weiterhin als Mitglied verbunden bleibt.

Mit dem neu gewählten Vorstand blickt der Presseclub Dresden optimistisch nach vorn. Auch 2026 dürfen sich die Mitglieder auf spannende Clubabende, hochkarätige Gäste und anregende Diskussionen freuen. Ziel bleibt es, einen offenen Raum für Austausch, Debatte und Vernetzung in der Dresdner Medienlandschaft zu bieten.

v.l.n.r.: Alexander Holzhauer, Thomas Kaulfuß, Barbara Knifka, Erik Töpfer, Sabine Mutschke, Michael Hiller, Tobias Wolf, Andreas Weller