Trotz heftigen Gewitters zum Auftakt und eines ordentlichen Regengusses am späteren Abend hat sich der SommerSchwatz des Dresdner Presseclubs einmal mehr als das Forum für Journalisten, Pressesprecher und Vertreter aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in der Landeshauptstadt gezeigt, das er seit 15 Jahren ist. Es wurde ausgiebig geschwatzt, alte Bekanntschaften gepflegt und viele neue Kontakte geknüpft.
Presseclub-Vizechefin Sabine Mutschke begrüßte neben zahlreichen Kolleginnen und Kollegen die sächsische Justizministerin Katja Meier, Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Bildungsbürgermeister Jan Donhauser und den neuen Wirtschaftsbürgermeister Jan Pratzka. Als Gäste konnte der Presseclub außerdem Lars Radau, den Geschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbandes Sachsen, sowie erstmalig den Dresdner Polizeipräsidenten Lutz Rodig und den Vorsitzenden der Landespressekonferenz Tino Moritz begrüßen. Sehr hoch war in diesem Jahr der Anteil junger Gäste. So waren mehrere Volontäre der Dresdner Tageszeitungen vertreten sowie Pressesprecher der Jugendorganisationen der Parteien. Viele von ihnen kamen zum ersten Mal mit dem Presseclub in Kontakt und wir hoffen, dass wir bald Gelegenheit haben, die vielen inspirierenden Gespräche fortzuführen.
Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) war am 12. Juni nach einem fordernden Tag im Innenausschuss des sächsischen Landtags zu Gast beim Presseclub Dresden und DJV Sachsen. Er stellte sich auch hier kritischen Fragen zum Polizeieinsatz rund um das Demonstrationsgeschehen am „Tag X“ in Leipzig.
Schuster, seit April 2022 im Amt, hatte den Einsatz verantwortet und trotz großer Kritik im Nachgang als erfolgreich bezeichnet. Linke und linksextreme Gruppen hatten für den Fall einer Verurteilung der Linksextremistin Lina E. vor dem Oberlandesgericht Dresden zum „Tag X“ aufgerufen und mobilisiert. Die Stadt Leipzig hatte ein Versammlungsverbot erlassen und war daraufhin mit Vorwürfen konfrontiert worden, die grundgesetzlich garantierte Versammlungsfreiheit einzuschränken.
Im Gespräch mit Presseclub-Vorstandsmitglied Tobias Wolf sagte Schuster: „Worauf ich unglaublich Wert lege, ist die Feststellung, dass die Grundrechte der Leipziger Anwohner, Geschäftsinhaber und von Touristen gewahrt wurden.“
Im weiteren Verlauf des Gesprächs erklärte Schuster, warum mehr als 1000 Menschen mehr als zehn Stunden eingekesselt gewesen seien und wie schwierig der Posten des Innenministers sei. Schuster war als Nachfolger von Parteifreund Roland Wöller nach Sachsen gekommen, der wegen einer Reihe von Polizeiskandalen und Vorwürfen der Vetternwirtschaft entlassen worden war. „Anfangs habe ich jeden Abend zu meiner Frau gesagt: ich bin noch im Amt“, so Schuster. Er müsse für jeden Einzelnen seiner Untergebenen die Hand ins Feuer legen.
Der Innenminister ließ auch einiges an Persönlichem durchblicken, erzählte etwa, dass er im Verlauf seiner Karriere bereits in 13 Bundesländern gelebt und gearbeitet habe, außer in Sachsen Anhalt, Hamburg und Bremen. In der Hälfte der Fälle sei seine Frau mit ihm umgezogen, in den anderen Fällen habe man eine Wochenendbeziehung geführt. Schuster war in den 1980ern in den damaligen Bundesgrenzschutz eingetreten und so auch in den 1990ern erstmals nach Sachsen gekommen, was er schon damals zu schätzen gelernt habe.
Als eine der größten Herausforderungen im Gespräch mit Tobias Wolf bezeichnete Schuster die Bekämpfung des Rechtsextremismus in Sachsen. Weitere Themen waren der Zustrom von Migranten und wie sich Schuster eine Regulierung vorstelle, etwa mit Kontrollen der sächsischen Außengrenzen.
Lacher bekam Schuster am Ende für die Antwort auf eine Frage aus dem Publikum, ob er sich denn als Wahlkreis bei der Landtagswahl den Leipziger Süden zutrauen würde, der bislang der einzige von den Linken direkt gewonnene Wahlkreis ist. Schusters Antwort: „Ich kann Großstadt“. Allerdings sei das zu weit weg von Dresden, wo er inzwischen wohne. Er würde lieber einen Wahlkreis in der Umgebung der Landeshauptstadt vertreten, so seine Partei das wolle. Ob er wirklich 2024 zur Landtagswahl antritt, ließ Schuster offen. Seine Antworten sollte jedoch einen Tag später in der Landespressekonferenz abermals Beachtung finden.
Im Bild (v.l.n.r.): Tobias Wolf (Presseclub Dresden), Lars Radau (DJV Sachsen), Innenminister Armin Schuster und Carsten Dietmann (Presseclub Dresden).
Presseclub im Gespräch mit Geschäftsführer Victor Straubhaar der Weißen Flotte Sachsen GmbH
Nach der Silvesterparty erhält das Salonschiff „Gräfin Cosel“ eine Rundumerneuerung. „Es wird alles heller und moderner, der Teppichboden verschwindet. Das Schiff mit 500 Plätzen für Fahrgäste ist so künftig besser für Partys und Events aller Art geeignet“, kündigt Victor Straubhaar beim Gespräch im Presseclub Dresden an. Seit eineinhalb Jahren ist er gemeinsam mit Stefan Bloch Geschäftsführer der Weißen Flotte Sachsen GmbH und damit Herr der historischen Dampferflotte.
Straubhaar rechnet mit knapp einer Million Euro für die Verjüngungskur der „Cosel“. Äußerlich wird es wenig Veränderungen geben, aber das Schiff erhält komplett neues Interieur und Mobiliar. Die vier Innenbereiche werden sich voneinander abheben, aber multifunktional nutzbar bleiben. Auf dem oberen Deck sind künftig die Tische und Sitze nicht mehr festgeschraubt, um mehr Nutzungsmöglichkeiten beispielsweise für Partys zu haben. Ein Salon soll zudem so umgebaut werden, dass auf dem Schiff auch Konferenzen stattfinden können. Dafür wird die nötige Technik für Präsentationen installiert, erklärt Straubhaar.
Bis spätestens zur Dampferparade am 1. Mai 2024 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Im Jahr darauf wird das Salonschiff „August der Starke“ umgebaut. Damit sind auch die Pläne, die Schiffe zu verkaufen, vom Tisch. Ein neues zusätzliches Schiff stellt sich der 31-jährige Geschäftsführer dennoch irgendwann einmal vor.
Nach der Insolvenz der Sächsischen Dampfschifffahrt im Juni 2020 konnte sich die Schweizer Firma United Rivers AG beim Bieterverfahren durchsetzen und setzt seit September desselben Jahres als Weiße Flotte Sachsen GmbH das operative Geschäft der Flotte und des Gastronomiebetreibers ElbeZeit fort. Für den Erhalt der neun historischen Schiffe gründeten die Schweizer die Kulturerbe Dampfschiffe Dresden GmbH. Zudem soll künftig ein Wächterrat mit zwölf berufenen Persönlichkeiten über die Schiffe wachen. Das beeindruckte die Mitglieder des Presseclubs. Eine Teilnehmerin lobte ausdrücklich die Anstrengungen der Schweizer, um die historischen Dampfer zu erhalten.
Seit der Übernahme habe das Unternehmen schon einen Millionenbetrag für die Instandhaltung der Dampfer investiert, genaue Angaben macht Straubhaar nicht. Die Dampfer wurden zwar in den 1990er Jahren runderneuert, aber inzwischen sei wieder viel zu tun. So mussten beispielsweise alle Radkästen erneuert werden, der Ausfall des Kessels auf dem Dampfer Leipzig kostete allein 125.000 Euro. „Wir investieren dauerhaft, aber wir fahren auch mit historischen Schiffen, da kann immer mal ein Problem auftreten“, erklärt Straubhaar, der nicht nur beruflich, sondern auch privat Oldtimer liebt. Dabei könne sich die Flotte auf ihre Maschinisten und Nautiker verlassen, die in den Wintermonaten die Schiffe flotthalten. Für Spezialarbeiten werden zusätzlich Fachkräfte verpflichtet.
Die Flotte hat derzeit 145 feste Mitarbeiter plus Saisonkräfte insbesondere in der Gastronomie. Allen einstigen Angestellten der Sächsischen Dampfschiffahrt und der ElbeZeit sei die Übernahme zu den vorigen Konditionen angeboten worden. Um entsprechenden Nachwuchs zu haben, bildet die Weiße Flotte etwa drei Dutzend Lehrlinge aus – die Industriemechaniker in Zusammenarbeit mit den Dresdner Verkehrsbetrieben.
„Wir schreiben schwarze Zahlen und bauen uns ein Polster auf“, verkündet der Geschäftsführer. Als Gründe nennt er auf Nachfrage eine größere Flexibilität statt einmal festgelegter Fahrpläne. So werde in Zeiten von Niedrigwasser schnell mal eine neue „Brückentour“ kreiert. Die Dampfer fahren zur Not kürzere Strecken mit weniger Fahrgästen. Als großes Unternehmen mit 70 Kabinenschiffen im Mutterkonzern könne die Weiße Flotte zudem bessere Konditionen beim Einkauf erzielen. Straubhaar verschweigt jedoch auch nicht, dass die Preise erhöht wurden.
Mit rund 400.000 verkauften Tickets hatte die Flotte im vergangenen Jahr ein gutes Geschäft. Sie blieb von den großen Auswirkungen des Niedrigwassers im Dürresommer weitgehend verschont. Das lag vor allem daran, dass Tschechien wegen der Erneuerung seiner Staustufe in großem Umfang Wasser ablassen musste. Doch Hochwasser und Niedrigwasser gehören an der Elbe zum Alltag. Gerade deshalb sei das finanzielle Polster erforderlich, um Ausfallzeiten zu überbrücken.
Die Weiße Flotte ist längst mehr als Dampferfahren im Linienverkehr. Kulinarische Veranstaltungen, Tanz- und Musikkonzepte, Krimi-Diner und Kapitän-Nemo-Kombiveranstaltungen an Bord und in der Schlossereihalle der Laubegaster Werft gehören ebenso zum Angebot.